So verändert Trumps Wahl-Debakel die Welt

7 Folgen des politischen Erdbebens
So verändert Trumps Wahl-Debakel die Welt
Trumps Pleite schüttelt nicht nur die USA durch, sie wird auch das weltweite Gefüge verändern. Europa darf einerseits aufatmen, andererseits aber muss es mit einem neuen Hammer rechnen. Wir sagen, was sich ändert.
Publiziert: 00:00 Uhr
- Nach dem Verlust beider Kongresskammern drohen Trump Untersuchungen und ein Impeachment im Kongress
- Die Demokraten werden neue Kriegskredite gegen Iran blockieren und Ukraine-Hilfen im Budget sichern
- Europa kann weiter auf Nato-Schutz hoffen und muss mit neuen US-Strafzöllen auf EU-Exporte rechnen
Guido FelderAusland-Redaktor
Der scheinbar unantastbare MAGA-Mythos ist an den US-Wahlurnen zerschellt. Mit dem Verlust gleich beider Kongresskammern ist Donald Trump (80) über Nacht vom übermächtigen Präsidenten zum Verwalter einer zersplitterten Rumpftruppe geworden.
Jetzt werden ihn die Demokraten mit allen verfügbaren Hebeln weiter in die Enge treiben. Das hat weltweite Auswirkungen: Die globalen Machtachsen werden sich verschieben. Sieben Entwicklungen zeigen die neue Realität der gespaltenen Supermacht.
1
Untersuchungen zu Krieg, Epstein und Finanzen
Die Opposition übernimmt dank den neuen Mehrheiten verschiedene Ausschüsse und kann Untersuchungen anstossen. Trumps dubiose Finanztransaktionen, der eigenmächtige Kriegskurs gegen den Iran und unter Verschluss gehaltene Akten zur Epstein-Affäre landen gnadenlos auf dem Seziertisch öffentlicher Anhörungen. Eine Verurteilung wird es zwar nicht geben, so lange Trump Präsident ist – trotzdem könnte es sehr unangenehm werden.
2
Demütigung im Impeachment
Ein neues Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs ist so gut wie sicher. Zwar wird die republikanische Rumpftruppe im Senat Trumps Rauswurf verhindern, doch der Schauprozess erreicht sein Ziel: maximale Blossstellung. Für Trump werden die verbleibenden zwei Jahre zum parlamentarischen Spiessrutenlauf, bei dem jeder Abstimmungstag die Republikaner vor die Entscheidung stellt, sich öffentlich zu einem toxischen Präsidenten zu bekennen oder sich auf die eigene Wiederwahl vorzubereiten.
3
Meuterei im eigenen Lager
Die gefährlichste Front für Trump verläuft ab heute nicht zwischen den Parteien, sondern im eigenen Haus. Mit seinem Machtverlust bricht der offene Aufstand der republikanischen Erben los. Von Vizepräsident JD Vance (42) über Minister bis zu den Gouverneuren im Land beginnt der Kampf um 2028. Den Republikanern wird bewusst: Wer Trumps sinkendes Schiff nicht rechtzeitig verlässt, geht mit ihm unter.
4
Fesseln für den Iran-Krieg
Zwar hat Trump als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte nach wie vor die militärischen Zügel in der Hand. Aber: Vorbei sind die Zeiten eines plan- und uferlosen Bombardierens des Irans. Mit der Budgethoheit schieben die Demokraten weiteren Eskalationen im Nahen Osten den Riegel vor: keine neuen Kriegskredite, keine unkontrollierten Truppenverlegungen ohne parlamentarisches Mandat.
5
Frische Milliarden für die Ukraine
Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin (74) sind die Midterms ein Trauertag. Sein Kumpel im Weissen Haus, der ihm im Krieg gegen die Ukraine praktisch freie Bahn bereitete, liegt in den Seilen. Dafür jubelt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48). Die Ukraine-freundlichen Demokraten werden neue Milliarden- und Waffenhilfen verlässlich ins Budget meisseln.
6
Europa im Schüttelbecher
Ein demokratischer Kongress verhindert den abrupten US-Truppenabzug und sichert den US-Beitrag zur Nato verfassungsfest ab. Für Europas Wirtschaft wächst jedoch die Gefahr. Da Trump im Inland blockiert ist, schlägt er dort zu, wo die Exekutive freie Hand hat: im Aussenhandel. Strafzölle auf EU-Exporte werden für den geschwächten Präsidenten zum wichtigsten Ventil, um Stärke zu demonstrieren. Europa muss sich auf ein paradoxes Szenario einstellen.
7
Peking triumphiert
Während sich Washington in zermürbenden Schlammschlachten, Haushalts-Shutdowns und Untersuchungsausschüssen selbst blockiert, feiert der chinesische Präsident Xi Jinping (73). Eine zerstrittene Supermacht im Koma kann international keine klare Kante zeigen. China nutzt das amerikanische Machtvakuum eiskalt aus – mit neuen Handelspartnerschaften oder sogar militärischen Schritten.
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