«Katastrophaler Ort»: Warum wird die Stadt Olten so gehasst?

Darum gehts
- Olten gilt als Verkehrsknotenpunkt der Schweiz, doch sein Ruf wird in den sozialen Netzwerken kritisiert.
- 20 Minuten hörte sich vor Ort um: Olten gilt bei jungen Leuten aus Bern und Zürich als unsauber und unsicher – Einheimische widersprechen.
- Für Flynn (18) aus Olten ist die Stadt «ein Paradies».
Täglich fahren rund 854 Züge durch den Bahnhof Olten: Olten im Kanton Solothurn gilt als das Nadelöhr der Schweiz. Mit dem Zug ist man innert 30 Minuten in Basel, Luzern, Zürich, Bern oder Biel. Dennoch: Olten lebt von einem schlechten Ruf – auf Social Media wird diskutiert, warum.
Auf Reddit schreibt beispielsweise ein User: «Es ist sehr unsauber, überall liegt Müll.» Im Gemeinde-Ranking 2026 der «Bilanz» belegte Olten Platz 538 von 966 Gemeinden. In der Kategorie Sicherheit landete sie auf Platz 955. Für die in der Schweiz lebende Influencerin aus Singapur Olivia sei Olten die schlimmste Stadt der Schweiz: «Man fährt nur mit dem Zug hin oder durch, um zu einem besseren Ort zu gelangen.»
Content Creator Erencan hat einen viralen französischen Song auf, schrieb ihn auf Olten um und tanzt dazu in dessen Bahnhof. «Die Idee dazu kam mir vor zwei Tagen – ich dachte, der Sound geht mit dem Wort ‹Olten› viraler, anstatt mit einer anderen Schweizer Stadt», sagt er zu 20 Minuten. Erencan ist selbst stolzer Oltner: «Viele denken aber schlecht über die Stadt, deswegen wollte ich das Video auf eine lustige Art und Weise umsetzen.»
Was denken junge Leute aus Bern, Zürich und schliesslich Olten über die Stadt, die als Verkehrsknotenpunkt bekannt ist? 20 Minuten hat nachgefragt.
«Das Kaff von Zürich»
Berner und Bernerinnen sind keine Fans von Olten – im Gegenteil: «Ich würde mich nicht wundern, wenn eine Ratte neben mir durchlaufen würde, es ist wirklich ‹grusig›», sagt Mia (18). Obwohl Olten Teil des Kantons Solothurn ist, nennt sie Olten «das Kaff von Zürich». Sie sei schon öfters alkoholisierten und drogenabhängigen Personen begegnet.
«Olten ist ein katastrophaler Ort»
Auch Ramon (18) findet Olten einen «katastrophalen Ort»: «Bei jedem Besuch ist es ein Chaos.» Er erzählt von verpassten Anschlusszügen und einem dreckigen Bahnhof. Olten beschreibt er als «versifft, unzuverlässig und unschön».
«Kanton Solothurn existiert für mich nicht»
In Zürich sind die Meinungen nicht anders: «Ich habe nicht viel Gutes über Olten gehört», sagt Gregor (23). Er kenne nur den Bahnhof, den er nicht schön findet. Weiter sagt er: «Generell ist Solothurn für mich ein Kanton, der nicht existiert.»
«Alleine fühle ich mich am Bahnhof nicht sicher»
Lina und Alina (beide 18) erleben Olten als Gymnasiastinnen in der Stadt tagtäglich. «Olten ist ein spezieller Ort.» Auch sie sprechen die Situation am Bahnhof an: «Am Abend fühle ich mich als Frau rund um den Bahnhof nicht sicher», so Lina. Alina erzählt aber auch von den schönen Seiten der Stadt: «Die Altstadt ist schön und sehenswert.»
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«Olten ist ein Paradies»
Die Einheimischen sehen dies jedoch anders. «Für mich ist Olten ein Paradies», sagt der Oltner Flynn (18). Er beschreibt die Solothurner Stadt als entspannt, gemütlich, ruhig und schön. «Olten ist ein Familienort zum Aufwachsen, es braucht keine Grossstadt-Vibes.»
Jakob (17) aus Olten ist derselben Meinung. Für ihn ist Olten nicht nur eine sehr schöne Stadt: «Ich finde es die schönste Stadt der Schweiz.» Die Kirche, die Kantonsschule und die Altstadt seien hübsche Plätze.
Auch Seraphin (26) aus Basel, Melissa (20) aus Thun und Johanna (22) aus dem Aargau finden Olten nicht hässlich. Besonders die Altstadt gefällt ihnen. «Wir waren einmal bei schönem Wetter dort. Die Altstadt ist wirklich schön», erzählt Seraphin.
Johanna kannte Olten zuvor vor allem durch seinen schlechten Ruf in den sozialen Medien. «Vor allem auf TikTok habe ich nie etwas Gutes über Olten gehört.» Seit Studiumsbeginn habe sich das aber geändert: «Es gibt einige schöne Cafés in der Altstadt», sagt Johanna.
Die 22-jährige Anshika findet auch, dass Olten nicht allgemein eine hässliche Stadt ist. «Es gibt viele schöne Orte, vor allem an der Aare.» Sie geniesst oft die Zeit am Wasser. Dies könnten andere Schweizer Städte nicht bieten.
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Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.
Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
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