Vorfälle in Polen – Vereiteltes Attentat auf Tusk: Information kam vom Staatschutz

Nach Messerangriffen in polnischen Schulen wurde auch noch bekannt, dass die Polizei einen möglichen Anschlag auf den Premierminister Donald Tusk und auf Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz vereitelt hat. Die Sicherheitsbehörden hatten alle Hände voll zu tun – viele Fragen sind immer noch ungeklärt. ARD-Korrespondentin Palina Milling beschreibt, was das mit den Menschen in Polen macht.
Palina Milling
Journalistin
Milling arbeitet beim WDR und war Teil des Rechercheteams über die von Russland gefakten Demonstrationen.
SRF News: Was lösen diese Nachrichten in Polen aus?
Palina Milling: Beunruhigung und Besorgnis. Die Vorfälle hängen zwar nicht zusammen, das hat der polnische Innenminister gestern Abend klargestellt. Einerseits meinte er damit, dass die Messerangriffe untereinander nicht zusammenhängen, aber auch, dass die Messerangriffe und die vereitelten Anschlagspläne auf den Premier nicht zusammenhängen. Doch die letzten Tage waren sehr nachrichtenintensiv für Polen. Bezogen auf die Messerangriffe sind viele Eltern beunruhigt. Man diskutiert darüber, wie sich jeder Einzelne, jede Familie dazu verhalten kann.
Der polnische Innenminister Marcin Kierwinski sagte, die Polizei habe in den vergangenen Tagen landesweit 67'000 Schulen kontrolliert und 117 Personen festgenommen. Dabei handele es sich meist um Teenager im Alter von 13 bis 19 Jahren, die in sozialen Netzwerken auffällig geworden seien.
Gibt es mehr Details zu den Anschlagsplänen?
Nach Angaben des polnischen Innenministers wurde der Verdächtige gestern in Niederschlesien festgenommen. Einige polnische Medien sprechen von der Stadt Wroclaw.
Der Innenminister hat bisher nichts dazu gesagt, ob es diese Pläne politisch motiviert gewesen sein könnten.
Der Mann soll 60 Jahre alt sein. Innenminister Czerwinski sagt, er habe Kontakte zu radikalen Gruppen, vertrete radikale Ansichten. Man habe das vor allem an seinen Äusserungen online wohl erkannt. Der Innenminister hat bisher nichts dazu gesagt, ob diese Pläne politisch motiviert gewesen sein könnten. Der Hinweis auf den Mann kam wohl über einen Informanten an den Staatsschutz. Der ist für den Personenschutz der Regierungsvertreter zuständig.
Es gab drei Messerangriffe und die Polizei will zwei weitere vereitelt haben. Also wo es konkrete Pläne und Gefahr bestand.
Was weiss man über die Motivation der Täter der Messerangriffe ?
Es gibt wenig Konkretes. Es geht offenbar um eine Art Gewalt-Sympathien, die vor allem sehr junge Menschen online aussprechen oder androhen. Die Sicherheitsbehörden haben bisher das Internet durchforstet, nach Drohnachrichten, Fotos und Videos, die meist Teenager gepostet haben. Und es geht zum grossen Teil um Minderjährige, also um junge Menschen zwischen 13 und 19 Jahren. Betroffen war vor allem die Region Masowien, das ist die Region rund um Warschau und Warschau selbst. Es gab diese drei Messerangriffe und die Polizei will zwei weitere vereitelt haben. Dort bestanden konkrete Pläne und Gefahr. Bei der Tatwaffe handelt es sich um Messer oder andere scharfe Gegenstände. Spekulationen über eine mögliche Internet-Challenge, eine Art Verabredung oder Aufforderung zu den Angriffen machen die Runde. Diese Gerüchte haben die Beamten bisher deutlich zurückgewiesen.
Mit welchen Strategien versucht die Regierung, wieder ein Gefühl von Sicherheit herzustellen?
Die Polizei versucht, durch Präsenz für Beruhigung zu sorgen. Heute sind wieder 20'000 Einsatzkräfte im Umfeld von Schulen unterwegs. Es wird auch Polizeistreifen geben. Man hat 117 Personen innerhalb von drei, vier Tagen festgenommen. Das ist eine grosse Zahl. Die Polizei versucht, durch diese Handlungsfähigkeit, durch diese schnelle Reaktion und auch durch immer wieder öffentliche Informationen der Verunsicherung gegenzusteuern.
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