Berner Forschung – KI hilft, Herzkrankheiten genauer vorherzusagen

Berner Forschung KI hilft, Herzkrankheiten genauer vorherzusagen
Forschende aus Bern haben KI-Modelle entwickelt, die den Verlauf von Herzkrankheiten genauer vorhersagen können als bisherige Systeme.
02.09.2026, 11:51
KI kann den Verlauf von Herzkrankheiten deutlich genauer vorhersagen als bisherige Prognosemodelle, wie zwei internationale Studien unter der Leitung des Berner Inselspitals und der Universität Bern zeigen.
Die entwickelten Werkzeuge stehen der Fachwelt bereits kostenlos online zur Verfügung. Als Nächstes sollen sie im klinischen Alltag getestet werden, berichtet das Radio und Fernsehen für die italienische Schweiz, RSI.
Bessere Prognosen nach einem Herzklappeneingriff
Die erste Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet Digital Health veröffentlicht wurde, untersuchte Patientinnen und Patienten mit einer schweren Verengung der Aortenklappe. Diese erhielten eine neue Herzklappe mittels eines minimalinvasiven Eingriffs, der keine Operation am offenen Herzen erfordert.
Warum genaue Prognosen wichtig sind
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In der Kardiologie können zwei Menschen mit derselben Diagnose einen ganz unterschiedlichen Krankheitsverlauf haben. Während manche nach einer Behandlung jahrelang stabil bleiben, verschlechtert sich der Zustand anderer trotz optimaler Therapie rasch.
Für Ärztinnen und Ärzte ist es deshalb entscheidend, das individuelle Risiko möglichst genau einschätzen zu können. So lassen sich besonders gefährdete Personen engmaschiger überwachen, während unnötige Untersuchungen vermieden werden können.
Genau hier kommt die KI ins Spiel. Sie analysiert grosse Mengen bereits vorhandener Gesundheitsdaten wie Laborwerte, Krankenakten oder medizinische Bildaufnahmen und erkennt Muster, die für Menschen oft kaum sichtbar sind.
Für das Modell werteten die Forschenden klinische Daten, Laborwerte und Herzbilder von 2985 in Bern behandelten Personen aus. Anschliessend wurde das System an einer unabhängigen Gruppe von mehr als tausend Patientinnen und Patienten in Japan getestet.
Die KI verbesserte die Genauigkeit der Langzeitprognosen um 10 bis 15 Prozent gegenüber den heute üblichen Risikomodellen. Zudem zeigte sie auf, welche Faktoren besonders stark mit den Überlebenschancen zusammenhängen.
KI nimmt seltene Herzkrankheit unter die Lupe
Die zweite Studie, erschienen in JAMA Cardiology, befasste sich mit der seltenen Transthyretin-Amyloidose. Bei dieser Erkrankung lagern sich fehlgefaltete Eiweisse im Herzmuskel ab. Das Herz wird steifer, was zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und einer deutlich verkürzten Lebenserwartung führen kann.
Das Forschungsteam entwickelte ein Prognosemodell auf Grundlage der Daten von 850 Patientinnen und Patienten aus mehreren Schweizer Zentren sowie der Universität Wien.
Auch hier schnitt die KI besser ab als die bisher verwendeten internationalen Bewertungssysteme. Je nach Patientengruppe verbesserte sich die Genauigkeit bei der Vorhersage von Todesfällen oder Spitaleinweisungen wegen Herzschwäche um bis zu 20 Prozent.
Kein Ersatz für Ärztinnen und Ärzte
Trotz der vielversprechenden Resultate betonen die Forschenden, dass die KI Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen soll.
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«Unsere Modelle helfen dabei, individuelle Unterschiede zuverlässiger zu erkennen und die Behandlung besser auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen», sagt Christoph Gräni, Leitender Arzt an der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals und Koordinator beider Studien.
Die künstliche Intelligenz unterstütze medizinische Entscheidungen, ersetze sie aber nicht.
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