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Sunday, November 1, 2026

Aus fürs letzte Kursschiff – Tessiner Gemeinden sind sauer

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«Sie lassen uns im Stich»

Aus fürs letzte Kursschiff – Tessiner Gemeinden sind sauer

Im Tessin gibts böses Blut: Das Kursschiff zwischen Locarno und Magadino wird gestrichen, per Mitte Dezember ist Schluss. Pendler von betroffenen Gemeinden haben nun plötzlich einen deutlich längeren Arbeitsweg. Dort ist der Ärger gross.

Publiziert: vor 18 Minuten

  • Bund und Kanton streichen die Subventionen für die ganzjährige Linie 351 (Locarno–Tenero–Magadino)
  • Der Betrieb des Kursschiffs wird per 13. Dezember eingestellt
  • Um die Linie zu retten, müsste die Gemeinde jährlich 350'000 bis 400'000 Franken blechen
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Schluss mit der Abkürzung über den See: Am 13. Dezember wird die Schiffsverbindung Locarno–Tenero–Magadino im Tessin eingestellt. Bund und Kanton drehen der Linie 351 auf dem Lago Maggiore den Geldhahn zu. Das einzige ÖV-Passagierschiff verschwindet. Schüler und Berufstätige müssen künftig auf Alternativen ausweichen, wie die Tessiner Zeitung «La Regione» zuerst berichtet hat.

Die Wut in den Seegemeinden ist gross. Gianluigi Della Santa (61), Gemeindepräsident von Gambarogno TI, schimpft gegenüber der Zeitung: «Sie lassen uns einfach im Stich.» Für die Gemeinde sei es ein «Riesen-Chaos». Gegenüber Blick legt der Anwalt nach: «Wir sind alle verärgert und frustriert darüber, nicht einbezogen worden zu sein.» Für ihn ist klar: Der Fahrplan hätte unverändert fortgesetzt werden müssen, bis eine saubere Lösung steht.

Beim Kanton wiegelt man ab. Eine Sprecherin des Verkehrsdepartements begründet das Aus auf Blick-Anfrage so: «In den letzten Jahren hatte der Regierungsrat zahlreiche Probleme mit der Reederei.» Das habe es verunmöglicht, den Betrieb des Passagierschiffs weiter zu subventionieren.

Gemeinde müsste Deckungslücke stopfen

Für den Betrieb des Kursschiffes ist die Gesellschaft Società Navigazione del Lago di Lugano (SNL) zuständig. Weil es nun keine staatlichen Gelder mehr gibt, bleibt das Kursschiff den ganzen Winter über im Dock. Künftig bietet die SNL nur noch Fahrten für Touristen im Sommer an – ausser Gemeinden wie Gambarogno bezahlen den ÖV-Betrieb selbst.

In einem Brief legte die SNL Gambarogno die happige Rechnung vor: Will die Gemeinde das Pendlerschiff behalten, muss sie 350'000 bis 400'000 Franken pro Jahr bezahlen – aus der Gemeindekasse. Gemeindepräsident Della Santa winkt gegenüber Blick ab: «Wir sind nicht in der Lage, diese Last zu tragen.»

Für die Pendler ist die Streichung eine bittere Pille. Die Linie 351 war die einzige ganzjährige Verbindung über das Nordbecken des Lago Maggiore. Jetzt müssen sie mit Postauto und Zug oder dem eigenen Auto um den See herum fahren. Das dauert. «Die Reisezeit verlängert sich von 30 auf 60 Minuten», sagt Della Santa zu Blick. Der Kanton legt eine andere Rechnung vor: Es dauere «etwa 15 Minuten länger», so die Sprecherin. Nur: Die Strassen im nördlichen Teil des Lago Maggiore gelten als Nadelöhr, entsprechend oft kommt es zu Stau.

Streitigkeiten darum, wie der öffentliche Schiffsverkehr finanziert wird, kennt man auch in der Deutschschweiz: Auf dem Zürichsee sorgte jahrelang der umstrittene Schiffsfünfliber für Ärger bei Pendlern. 2018 schuf ihn der Kanton Zürich wieder ab. Während in anderen Landesteilen Schiffe längst fest in die Verkehrsverbünde integriert sind, geht das Tessin den gegenteiligen Weg – und streicht die Linie ganz.

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