Jason Arday ist tot – Familie prangert «Hetzkampagne» an

- Der britische Cambridge-Professor Jason Arday wurde am Freitag tot in einer Londoner Wohnung aufgefunden.
- Arday hatte kurz zuvor wegen Plagiatsvorwürfen seinen Posten niedergelegt.
- Seine Familie macht nun eine «Desinformationskampagne» für seinen Tod mitverantwortlich.
Die Familie des verstorbenen Jason Arday zeigt sich «zutiefst erschüttert über den Verlust dieses wunderbaren Vaters, Partners, Bruders, Onkels und Sohnes». Der erst vor wenigen Tagen zurückgetretene Professor der renommierten britischen Universität Cambridge war am Freitagnachmittag tot in einer Londoner Wohnung aufgefunden worden.
Zugleich erhebt die Familie schwere Vorwürfe gegen Teile der Öffentlichkeit und der Medien. «Die Desinformationskampagne war für ihn unerträglich», erklärten die Angehörigen.
Arday war in der vergangenen Woche von seinem Posten zurückgetreten, nachdem die Universität eine Untersuchung wegen zunehmender Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Dissertation angekündigt hatte. 2023 hatte seine Berufung für Aufsehen gesorgt: Mit damals 37 Jahren wurde Arday als jüngster schwarzer Professor in Cambridge gefeiert.
Familie Arday bittet «in Ruhe gelassen» zu werden
In einer über seinen Verlag Simon & Schuster UK verbreiteten Erklärung schildert die Familie die vergangenen Jahre als enorme Belastung für Arday. Seit seinem Wechsel nach Cambridge vor mehr als drei Jahren sei er einer «anhaltenden Hetzkampagne» ausgesetzt gewesen. Seine Gegner hätten «keine Mühen» gescheut, ihn zu diskreditieren.
Zugleich appellierten die Angehörigen an die britischen Medien, die Familie nun «in Ruhe zu lassen» und die aus ihrer Sicht seit Langem andauernde Belästigung zu beenden.
Auch die britische Bildungsministerin Lucy Powell reagierte bestürzt auf die Nachricht. Sie sei «zutiefst schockiert und traurig» über Ardays Tod, erklärte sie am Freitagabend. Ihren Angaben zufolge gelten ihre Gedanken und ihr Mitgefühl den Freunden und Angehörigen des Professors.
Rechtsgerichtete Medien starteten jüngste Kampagne
Zuletzt war Arday verstärkt in den Fokus der britischen Presse geraten. Die «Times» hatte in mehreren investigativen Beiträgen sowohl seine wissenschaftliche Arbeit als auch Aspekte seines Privatlebens beleuchtet. Gegenüber der Zeitung räumte Arday zwar «Fehler» in seiner akademischen Arbeit ein, wehrte sich jedoch entschieden gegen den Eindruck, er sei ein «Lügner, Fantast und wissenschaftlicher Betrüger». Die Berichterstattung bezeichnete er als Teil einer «rassistisch motivierten Kampagne», die darauf abziele, ihn aus seinem Amt zu drängen.

Ihren Ausgang nahmen die jüngsten Plagiatsvorwürfe im Juli. Erhoben wurden sie laut AFP von dem US-Wissenschaftler Nathan Cofnas, dessen Forschungszugehörigkeit zu einem College der Universität Cambridge 2024 nach Rassismusvorwürfen beendet worden war. In der Folge griffen insbesondere rechtsgerichtete Medien und Kommentatoren die Anschuldigungen auf. Dabei rückten sie auch Ardays Rolle als prominenter Vertreter von Gleichstellungs- und Inklusionsbestrebungen in den Mittelpunkt und bezeichneten ihn als «Aushängeschild» entsprechender DEI-Programme.
Die Vorwürfe gegen Arday waren allerdings nicht neu und hatten bereits zuvor eine formelle Überprüfung ausgelöst. Die John-Moores-Universität in Liverpool, an der er seine Dissertation verfasst hatte, untersuchte die Plagiatsvorwürfe im vergangenen Jahr. Das Verfahren endete mit einer Entlastung Ardays: Die Universität sprach ihn von den Anschuldigungen frei.
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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