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Tuesday, September 29, 2026

Abstimmung in Zürich – Warum Hochhäuser die Schweiz spalten

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Zürich bremst Hochhäuser, Ostermundigen baut eines: Wohnhochhäuser spalten die Schweiz.

29.09.2026, 05:35

Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung hat beschlossen, den Bau von Hochhäusern stärker einzuschränken. Diese förderten die Gentrifizierung, trieben die Wohnkosten in die Höhe und passten nicht in die Quartiere der Stadt – so die Argumente.

Zürich bremst Hochhäuser

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Die Zürcher Stimmberechtigten haben die Regeln für den Bau von Hochhäusern verschärft. Mit 62.5 Prozent Ja-Stimmen nahmen sie die Vorlage des Gemeinderats an.

Künftig sind Hochhäuser bis 40 Meter Höhe nur noch an wenigen Standorten möglich, vor allem in Quartierzentren. Ab 60 Metern braucht es einen vom Gemeinderat genehmigten Gestaltungsplan. Zudem sollen höhere Ausnutzungen stärker an die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum geknüpft werden.

Die Befürworter sahen darin ein Mittel gegen Verdrängung und steigende Wohnkosten. Gegner warnten, Zürich erschwere damit die Verdichtung und den dringend benötigten Wohnungsbau. Mit dem Entscheid bleiben Hochhäuser zwar weiterhin möglich, ihre Zahl und ihre Standorte werden jedoch stärker begrenzt.

«Hochhäuser sind Sinnbilder für Boomzeiten, sie stehen für Wachstum und Aufbruch», sagt der Raumentwickler Joris Van Wezemael. Gleichzeitig bildeten sie in der Landschaft einen sichtbaren Bruch mit bestehenden Siedlungen.

Aversionen gegen Hochhäuser haben in der Schweiz Tradition. Erste Wohnhochhäuser aus den 1960er- und 1970er-Jahren gerieten schnell als trist und anonym in Verruf. Erst seit ein paar Jahren gibt es einen zweiten kleinen Hochhaus-Boom.

Nicht ob, sondern wo – das ist die Frage

«Dass die Schweizer Bevölkerung Hochhäuser nicht mag, stimmt allerdings nicht ganz», so Van Wezemael und erinnert daran, dass die Stimmberechtigten von Ostermundigen im Kanton Bern am gleichen Abstimmungssonntag Ja gesagt haben zu einem Holzhochhaus. Nicht überall sei die politische Debatte so aufgeheizt wie in der Stadt Zürich.

Ostermundigen sagt Ja zu Holzhochhaus

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Die Stimmberechtigten von Ostermundigen im Kanton Bern haben den Weg frei gemacht für ein 69 Meter hohes Hochhaus, das mehrheitlich aus Holz gebaut werden soll. Das sogenannte Werkstadthaus wird Wohnungen sowie Flächen für Gewerbe und Dienstleistungen umfassen. Mit einem Ja-Stimmenanteil von 79.5 Prozent genehmigte das Stimmvolk die Überbauungsordnung.

In der Abstimmungsbotschaft bezeichnete die Gemeinde das Werkstadthaus als «kleines Dorf in der Höhe». Es soll ein lebendiger Ort der Begegnung werden und zugleich hohe Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Materialien und Ressourcen sollen möglichst im Kreislauf gehalten und wiederverwendet werden. Während der öffentlichen Auflage gingen mehrere Einsprachen ein. Kritisiert wurden unter anderem der Schattenwurf des Hochhauses und ein befürchteter Anstieg des Verkehrs. Geplant ist das Holzhochhaus im Entwicklungsschwerpunkt beim Bahnhof. Dort wurde bereits 2022 der «Bärentower» eingeweiht.

Quelle: SDA

Laut Van Wezemael muss man differenzieren: «Die Frage ist nicht, ob Hochhaus ja oder nein, sondern: Wo passt ein Hochhaus hin und bringt einen Mehrwert?»

Mehrstöckiges Gebäude mit Balkonen und Pflanzen, im Hintergrund eine Stadtlandschaft.
Legende: Das in Ostermundigen geplante Hochhaus mit Wohnungen und Gewerbe. www.werkstadthaus.ch

Ein Hochhaus direkt beim Bahnhof in einem Entwicklungsschwerpunkt einer Agglomeration – wie in Ostermundigen – stosse auf grössere Akzeptanz als eine Nachverdichtung mitten in einem bestehenden Wohnquartier in der Stadt Zürich. In bestehenden Wohnquartieren müssen Häuser abgerissen werden, um Hochhäuser hinstellen zu können, das schafft zusätzliche Abneigungen. Ein paar Wolkenkratzer in die grüne Landschaft zu stellen, ist ähnlich unpopulär. «Der Kontext ist entscheidend», so Van Wezemael.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Aber auch wenn der Standort stimmt: Hochhäuser haben in der Schweiz ein schlechtes Image: Sie gelten als hässlich. Warum eigentlich?

Van Wezemael fällt auf, dass sich in Zürich bei Hochhäusern ein eigener Architekturstil durchgesetzt hat – weil die immer gleichen Büros bei Wettbewerben mitmachen und gewinnen. «Das hat eine eigene Ästhetik hervorgebracht – die mir persönlich zwar gefällt, aber nicht unbedingt dem Durchschnittsgeschmack entspricht.» In Zürich dominieren Sichtbetonskelette, edel sandgestrahlte Marmor-Beton-Reliefs und Klinkerfüllungen. Dieser Stil hat laut Van Wezemael etwas Abgehobenes.

Vielleicht wird auch deshalb oft kritisiert, neu gebaute Hochhäuser seien Luxusobjekte für Reiche. Normalverdienende könnten sich diese Wohnungen gar nicht leisten.

Tatsächlich sind Hochhäuser in Bau und Betrieb kostenintensiv. Zusätzliche Anforderungen an Statik, Brandschutz – etwa ein zweites Treppenhaus – und Haustechnik treiben die Kosten in die Höhe. Wirtschaftlich werden solche Gebäude oft erst ab einer gewissen Höhe. Gleichzeitig führen mehr Geschosse zu stärkerem Schattenwurf, was häufig auf Widerstand in der Bevölkerung stösst.

Höher ist nicht automatisch dichter

Auch als Verdichtungsmittel sind Hochhäuser nur bedingt geeignet. Mit zunehmender Höhe braucht es mehr Fläche für Lifte, Treppenhäuser und Tragstrukturen. Zudem schmälern Vorschriften zu Abständen, Besonnung und Grünflächen den Verdichtungseffekt.

«Höhe ist noch keine Dichte», sagt auch Van Wezemael. Es reiche nicht zu sagen: Wir müssen verdichten und daher höher bauen. Sondern: «Wir müssen klüger bauen.» Also das Passende am richtigen Ort.

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