Alexandra Lüönd über das Teilen der Rechnung: Beim Date bezahlt der Mann
Alexandra Lüönd über das Teilen der Rechnung
Beim Date bezahlt der Mann
Ich brauche keinen Mann, der mich finanziert. Trotzdem erwarte ich beim Daten, dass er mich einlädt.
Publiziert: vor 14 Minuten
Aktualisiert: vor 6 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Alexandra Lüönd kritisiert moderne Dating-Gepflogenheiten wie das Teilen von Rechnungen.
- Nach einem Date erhielt eine Freundin eine Twint-Anfrage für Essen.
- Feminismus heisst Freiheit: Autorin bevorzugt Gentlemen, die Aufmerksamkeit schenken.
Alexandra LüöndUnternehmerin & Blick-Kolumnistin
Vor ein paar Jahren war ich auf einem Date mit einem Mann. Über 35, gut aussehend, beruflich erfolgreich. Wir trafen uns in einer Bar, redeten, tranken zwei Gläser Champagner. Dann wollte er die Rechnung teilen.
Autsch. Die Romantik war dahin.
Getrennte Rechnung? Bei einem Studenten hätte ich das ja noch verstanden, aber bei einem Angestellten bei einem der Big Four? Come on. Das ist keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Haltung.
Denn für mich ist klar: Beim Dating bezahlt der Mann.
Twint-Anfrage nach dem Date
Offenbar ist das heute aber nicht mehr für alle selbstverständlich. Eine Freundin von mir erhielt kürzlich nach einem Date eine Twint-Anfrage für ihren Anteil am Essen.
Wie bitte? Nach einem Date erwarte ich Blumen, keine Betreibung!
Zum Glück passiert es mir selten, dass jemand «fifty-fifty» vorschlägt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich dieses halbherzige Portemonnaie-Zück-Theater gar nicht erst aufführe, wenn die Rechnung kommt.
Soll ich noch etwas beisteuern? Nein. Mein Anteil am Date ist sowieso schon längst bezahlt. Haare, Nägel, Make-up, Outfit, wisst ihr, was das alles kostet? Dazu kommen High Heels, die nicht nur teurer als Birkenstocks sind, sondern auch weitaus unbequemer.
Natürlich ist diese Rechnung mit einem Augenzwinkern gemeint. Kein Mann zwingt mich, vor einem Date zum Coiffeur zu gehen. Aber wenn ich mir für ein Date Mühe gebe, möchte ich am Ende nicht darüber diskutieren, wer wie viele Gläser Champagner getrunken hat.
Wer mich umwirbt, soll mir auch das Gefühl geben, mich zu umwerben.
Und damit das klar ist: Eine Einladung kauft übrigens keine Gegenleistung.
Ich will einen Gentleman
Ich habe das Unternehmen Beauty2Go aufgebaut, war lange CEO und bin heute Verwaltungsratspräsidentin. Ich kann mir mein Leben selbst bezahlen. Aber nur, weil ich etwas kann, finde ich es nicht romantisch, wenn ich es auch muss.
Ich kann mir selbst die Taxitür öffnen. Trotzdem mag ich es, wenn ein Mann es für mich tut. Ich kann mir selbst Blumen kaufen. Trotzdem freue ich mich, wenn am Tag nach dem Date welche vor meiner Tür stehen.
Nennt mich ruhig altmodisch. Ich finde das romantisch. Vielleicht liegt das auch an meinen peruanischen Wurzeln. Ich mag Männer, die Initiative zeigen, einen Tisch reservieren, sich erkundigen, wie ich nach Hause gekommen bin (oder mich noch besser gleich selbst nach Hause bringen). Die mir das Gefühl geben: Ich kümmere mich um dich.
Ist das noch feministisch?
Und bevor man mir jetzt vorwirft, ich sei nicht emanzipiert: Feminismus bedeutet für mich die Freiheit, zu wählen. Und zu wählen darf doch auch bedeuten, dass ich als Frau sage: Ich will einen Gentleman.
Ich verurteile keine Frau, die fifty-fifty bevorzugt (oder lieber Birkenstocks zum Date trägt). Wenn das für beide passt: wunderbar. Umgekehrt soll mir aber auch niemand sagen, meine Vorstellung von Dating sei rückständig.
Gleichberechtigung heisst für mich nicht, jede Rechnung exakt zu halbieren. Viel wichtiger ist mir, ob ein Mensch gerne gibt.
Fifty-fifty bis zum letzten Gipfeli
Wie viel Geld er hat, spielt dabei keine Rolle. Ich kenne Menschen, die wenig haben und unglaublich grosszügig sind. Und ich kenne sehr vermögende Menschen, bei denen selbst Dagobert Duck noch etwas über Geiz lernen könnte.
Auf einer Reise in Kolumbien war ich mit einer Gruppe unterwegs, in der die Männer tatsächlich ausrechneten, welche Frau wie viel aus der Wasserkaraffe getrunken hatte.
Kein Witz. Da sass ich und dachte: Wenn beim Mineralwasser schon Buchhaltung geführt wird, wie sieht das dann erst in einer Beziehung aus?
Erhält man eine Rechnung für die Gipfeli am Sonntagmorgen? Führt man eine Excel-Tabelle, wer wie viel Strom verbraucht hat? Und ist der Mann mit seiner Zeit, seiner Zuneigung und seiner Aufmerksamkeit dann genauso knausrig?
Und selbstverständlich gilt das auch für mich. Wenn ich jemanden mag, schenke ich, überrasche, organisiere und bin für diesen Menschen da. Ich möchte am Ende keine Beziehung, in der ein Mann gibt und ich mich bedienen lasse.
Männer, seid wieder Gentlemen
Manche Männer beklagen sich doch gerne darüber, dass der Feminismus ihnen ihre klassische Rolle genommen habe.
Nun, meine Herren: Dann seid doch wieder Gentlemen. Haltet die Tür auf, plant ein schönes Date, schickt Blumen.
Und wenn ein Mann nach zwei Gläsern Champagner trotzdem lieber den Taschenrechner zückt, ist das natürlich auch sein gutes Recht.
Dann trennen wir die Rechnung. Und danach trennen sich unsere Wege.
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