«Red Flag», «Leblos»: Züri-Wiesn wirbt mit KI statt echten Models

Darum gehts
- Das Züri-Wiesn Oktoberfest im Zürcher Hauptbahnhof wirbt mit KI-generierten Plakaten, auf denen künstliche Menschen im Dirndl und in Lederhosen zu sehen sind.
- Passantinnen und Passanten reagieren zwar verschieden, doch mehrheitlich kritisch darauf.
- Die beauftragte PR-Agentur erklärt, der KI-Einsatz sei eine bewusste ästhetische Entscheidung – nicht ein Mangel an echtem Bildmaterial.
«Das ist für mich immer eine Red Flag», sagt Lilith (24). Die Rede ist von KI-generierter Werbung. Derweil hängen genau solche Werbeplakate am Zürcher Hauptbahnhof. Beworben wird das Oktoberfest von Züri-Wiesn in der Bahnhofshalle.
20 Minuten hat Passantinnen und Passanten aus Zürich nach ihrer Meinung zu den Plakaten gefragt. Diese scheinen einen Nerv getroffen zu haben. Der springende Punkt: Die Menschen, die einen Grossteil der Plakate einnehmen, sind nicht echt.
«Fake und leblos»
«Ich finde es ziemlich frustrierend, dass sogar so grosse Events, die wahrscheinlich genug Geld hätten, Künstler zu beauftragen, KI verwenden», findet die 24-jährige Lilith. Dass solche Inhalte an prominentester Lage, wie dem Zürcher Hauptbahnhof, eine derart grosse Fläche erhalten, kritisiert die junge Frau scharf.
Dem schliessen sich auch Ramón (16) und Yuki (25) an. «Ich bin allgemein kein grosser Fan von Bildern, die mit KI generiert werden. Sie wirken oft fake und ein wenig leblos», sagt Yuki. Sehe er KI-generierte Werbung in den sozialen Medien, scrolle er relativ schnell weiter.
«Wirken oft eher billig»
«Ich finde es schade, dass so viel menschliche Arbeit wegfällt. Oft wirken KI-generierte Werbungen auch eher billig», sagt auch Flurin (25). Grundsätzlich sei er gegen den Einsatz von KI, da er selbst im kreativen Bereich tätig ist.
Auch Jadi (29) fühlt sich von der Werbung nicht besonders angesprochen. Sie wirke «recht unrealistisch», sodass man schnell erkenne, dass die abgebildeten Menschen nicht echt sind. Gemäss Jadi kann ein gekonnter Einsatz von künstlicher Intelligenz zwar sinnvoll sein, jedoch «muss man auf die Qualität achten».
Dem stimmt die 19-jährige Aliya zu. Ihrer Meinung nach sollten grosse Firmen mehr auf menschliche Arbeit anstelle von KI setzen. «Wenn es aber ein kleines Fest ist, macht es natürlich schon Sinn, davon Gebrauch zu machen», betont sie. «Meistens nervt mich KI-Werbung aber eher.»
Gelassener sieht dies die 17-jährige Selina. Zwar würde sie es begrüssen, wenn echte Menschen auf der Werbung zu sehen wären. Jedoch findet sie die Werbung gelungen.
Motive sollen Geselligkeit, Atmosphäre und Lebensfreude widerspiegeln
Auf Anfrage schreibt die von der Wiesn beauftragte PR-Agentur, ihre Entscheidung für die KI-generierten Motive sei zunächst als eine «ästhetische Setzung zu verstehen».
Im Vordergrund habe die Entwicklung einer eigenständigen Bildsprache gestanden, die Geselligkeit, Atmosphäre und Lebensfreude verdichtet. «Die Motive sollen diese Qualitäten vermitteln – sie sind von uns nicht als dokumentarische Wiedergabe konkreter Besuchssituationen angelegt», so die Agentur.
Kein Mangel an authentischem Bildmaterial
«Wir haben uns hier bewusst für eine eigenständige Bildwelt entschieden, statt vorhandene Fotografien durch weitreichende Retuschen einer gewünschten Idealvorstellung anzunähern», heisst es. Ein Mangel an authentischem Bildmaterial sei dafür keineswegs ausschlaggebend gewesen.
Zugleich sei man sich bewusst, dass die gegenwärtige technologische Entwicklung die Grundlagen der Kommunikation berührt. «Wo sich Texte und Bilder zunehmend unabhängig von einem tatsächlich stattgefundenen Geschehen erzeugen lassen, gewinnen Fragen nach Herkunft, Einordnung und Glaubwürdigkeit an Gewicht», so die Agentur.
Was hältst du von KI-Werbung?
Ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema
Doch die gestalterische Absicht liege auf einer anderen Ebene: «Es geht um eine werbliche Bildsprache, nicht um die Verschiebung von Tatsachen.» Dass diese Absicht allein die Frage nach der Wahrnehmung durch das Publikum noch nicht abschliessend beantwortet, gehört gemäss PR-Agentur zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema.
Dennoch heisst es: «Wir verfügen über umfangreiche fotografische und filmische Dokumentationen früherer Ausgaben. Auch in diesem Jahr haben professionelle Fotografen und Videografen die Züri-Wiesn begleitet.» Dieses Material bilde weiterhin einen wesentlichen Bestandteil der Kommunikation.
Trotz mehrfacher Nachfrage untersagte die Züri-Wiesn 20 Minuten, vor dem Veranstaltungsgelände eine Video-Umfrage durchzuführen.
Aktiviere jetzt den Zürich-Push!
Mit dem Zürich-Push von 20 Minuten bekommst du die aktuellsten News aus der Region Zürich, Aargau und Schaffhausen blitzschnell auf dein Handy geliefert.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus. Voilà!
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.


