Alkohol-Lizenz verweigert – also eröffnet Lidl-Filiale ein Pub

- Eine Lidl-Filiale in Nordirland hat nach einem verlorenen Gerichtsprozess um eine Alkohollizenz kurzerhand einen eigenen Pub eröffnet.
- Die Bar namens Middle Ale kostete Lidl laut BBC über 500’000 Pfund und sechs Jahre Planung.
- In der Eröffnungsnacht kam es zu einer Schlägerei, eine Person musste ins Spital gebracht werden.
Eine Lidl-Filiale in Nordirland darf keinen Alkohol verkaufen. Die Lizenzgesetze des Landes sind sehr strikt. Nachdem der Laden einen Gerichtsprozess um die Lizenz verloren hatte, suchte er nach einer anderen Lösung.
Kurzerhand eignete sich der Laden eine Lizenz zum Führen einer Bar an. Dort kann man nun verweilen, wie in einem richtigen Pub, aber auch Alkohol zum Mitnehmen kaufen, wie eben in einem Laden.
«Das kann sich kein lokaler Betreiber leisten»
«Middle Ale» ist der Name der Bar – ein Wortspiel, das «Ale» (eine bestimmte Art von Bier) und «Aisle» (ein Korridor – oft im Zusammenhang mit der Einrichtung von Lebensmittelläden verwendet) verbindet. Das Pub gilt als Symptom einer Regulierung, die die Entwicklung des Nachtlebens in Nordirland seit Jahren hemmt, so jedenfalls die Meinung der Organisation «Free the Night».
Die Situation rund um die Lidl-Beiz habe «die Heuchelei all dessen, womit wir zu kämpfen haben», offenbart, sagt Boyd Sleator, Mitgründer der Organisation «Free the Night» gegenüber dem «Guardian». Die Organisation hat das Ziel, ein sicheres und fortschrittliches Nachtleben in Nordirland zu schaffen, erklärt er. Laut BBC hat «The Middle Ale» Lidl mehr als 500’000 Pfund gekostet und sechs Jahre Planung in Anspruch genommen. «Das kann sich kein lokaler Betreiber leisten», behauptet Sleator.
Aufgabeprinzip und unzureichende Versorgung
In Nordirland kann die Lizenz zum Verkauf von Alkohol nur von jemandem gekauft werden, der die seine aufgibt. Das sogenannte Aufgabeprinzip verhindert also, dass neue Bars oder Alkoholgeschäfte entstehen können, ohne dass andere schliessen. Dies treibt die Preise der Lizenzen zudem in die Höhe. Laut dem Guardian kosten sie im Durchschnitt über 75’000 Pfund.
Wie schwierig sollte die Lizenzvergabe für den Alkoholverkauf sein?
Doch selbst wenn man eine Lizenz hat, ist noch nicht sicher, ob man den Alkohol auch wirklich verkaufen kann. Denn man muss den Nachweis erbringen, dass das Gebiet um die Filiale unzureichend versorgt ist. Hierbei scheiterte es bei der Lidl-Filiale. Das Gericht entschied, dass es bereits genügend Stellen zum Alkoholverkauf in der Nähe gebe. Daraufhin hatte Lidl die Idee, ein Pub zu eröffnen, denn davon gab es offenbar nicht genügend in der Umgebung. Somit wurde die Bar zugelassen.
Schlägerei in Eröffnungsnacht
Dass die Bar ein «echtes» Pub ist und nicht einfach nur ein Marketing-Gag von Lidl, zeigte sich bereits in der Eröffnungsnacht des Lokals. Gegen Ende der Eröffnungsfeier brachen Handgreiflichkeiten aus.
Die Discounterkette teilte mit, dass es im Laden zu einer «Auseinandersetzung» gekommen sei, als eine Gruppe von Kunden «höflich gebeten wurde, den Laden zu verlassen». Wie die Polizei später berichtete, musste eine Person ins Spital gebracht werden, allerdings mit Verletzungen, die «nicht schwerwiegend» seien.
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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