«Will wieder Postauto fahren»: Roger sammelt Geld für Augen-OP

- Der Postauto-Chauffeur Roger Theiler aus dem Aargau hat einen Sehnerv-Infarkt am linken Auge erlitten.
- Sein Führerausweis für Personentransporte wurde entzogen, weil sein Gesichtsfeld nicht mehr genügt.
- Die Krankenkasse zahlt die Eyetronic-Behandlung nicht, deshalb sammelt er 20'000 Franken Spenden.
«Ich bin mit Leib und Seele Chauffeur und will meinen Gästen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Jede Fahrt soll etwas Spezielles sein. Deshalb vermisse ich das Postautofahren und meine Fahrgäste auch so sehr», sagt Roger Theiler in einem emotionalen Gespräch mit 20 Minuten. «Ich bastle ihnen kleine Geschenke aus Holz oder verteile Guetzli. Seit ich diesen Beruf ausübe, ‹arbeite› ich nicht mehr. Sondern ich darf einer Tätigkeit nachgehen, die mich erfüllt.»
Die Aargauer Zeitung portraitierte Theiler noch im Juni. «Sein Markenzeichen lautet: ‹Der Chauffeur mit dem Hut, dann kommt es gut›», hiess es darin. Von seinen Fahrgästen habe er schon mehrfach spontanen Applaus erhalten.
Doch momentan fährt Roger Theiler weder auf der Postautostrecke zwischen Aarau und Frick noch als Reisebus-Chaffeur durch ganz Europa. Denn sein Führerausweis für diese Peronentransporte wurde ihm entzogen. Wegen eines Sehnerv-Infarktes im Mai ist sein Gesichtsfeld eingeschränkt und genügt den gesetzlichen Anforderungen nicht mehr.
«Ich ging ins Badezimmer und spülte meine Augen aus»
Am 22. Mai 2026 habe er morgens festgestellt, dass er auf dem linken Auge plötzlich schlecht sah. «Zunächst dachte ich, es handle sich vielleicht nur um eine nächtliche Einlagerung oder eine harmlose Reizung. Ich ging ins Badezimmer und spülte mein Auge aus – doch leider ohne Erfolg.» Die Sicht sei beeinträchtigt geblieben. «Da sich auch im Laufe des Tages keine Besserung einstellte, begann ich mir langsam Sorgen zu machen. Trotzdem trat ich am Nachmittag wie geplant meinen Dienst an. Auch am folgenden Samstag arbeitete ich noch. Am Montag, dem 25. Mai, sass ich zum letzten Mal in einem Postauto – ohne zu wissen, dass dies vorerst mein letzter Einsatz sein würde.»
Am nächsten Tag ging er zu einem Augenarzt in Frick. «Dieser erkannte die Dringlichkeit sofort und wies mich als Notfall in das Kantonsspital Aarau ein. Dort wurde seine Diagnose bestätigt: Ich hatte ein ‹N-AION› erlitten.»
Was ist ein N-AION?
N-AION steht für «Nicht-arteriitische Anteriore Ischämische Optikusneuropathie». Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Durchblutungsstörung beziehungsweise einen Infarkt am Sehnerv. Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt werden dabei Blutgefässe blockiert oder nicht ausreichend durchblutet. Teile des Sehnervs werden dadurch dauerhaft geschädigt.
Er sei immer für seine Gäste und die ihm übertragenen Fahrzeuge da gewesen. «Leider kann ich meinen Beruf im Moment nicht ausüben und es ist sehr fraglich, ob ich überhaupt je wieder zurück in ein Bus-Cockpit sitzen darf», sagt Roger Theiler.
Er setze nun alles daran, seinen Führerausweis zurückzuerlangen. «Leider wurde mir im Universitätsspital Zürich mitgeteilt, dass sich mein linkes Auge voraussichtlich nicht ausreichend erholen werde.» Doch Hoffnung gibt ihm ein neuer Therapieansatz: «Eine Zürcher Klinik sieht in der elektrischen Stimulation des Sehnervs mit Eyetronic dennoch eine mögliche Behandlungsoption. Dadurch könnte sich mein Gesichtsfeld vergrössern. Der Professor der Klinik hat meinen Fall geprüft und hält eine Verbesserung beziehungsweise möglicherweise sogar eine Heilung für denkbar.»
Weder Grund- noch Zusatzversicherung zahlt
Doch: Die Krankenkasse lehnt eine Kostenübernahme ab. Es handle sich «um keine Pflichtleistung» der Grundversicherung. Und auch in Roger Theilers Zusatzversicherung ist die Behandlung nicht enthalten. «Ich muss diese also privat finanzieren, wenn ich wieder Busfahren will», sagt der Mann niedergeschlagen.
Eine erste Behandlung wäre für den 25. Januar 2027 vorgesehen. Doch das Geld fehlt nach wie vor. «Eine Behandlung kostet rund 5000 Franken und umfasst zehn Sitzungen innerhalb von 20 Tagen. Aber bis zur Genessung könnte es bis zu vier Behandlungszyklen benötigen», erklärt der Aargauer.
Er will zurück auf seinen personalisierten Sitzbezug
Theiler sammelt nun Spenden, um die benötigten 20'000 Franken zusammenzubekommen. Gerade kürzlich habe er einen hübschen Sitzüberzug geschenkt bekommen. «Ich will mich so bald wie möglich wieder auf diesen Sitz setzen können», hofft Theiler. «Ich habe immer wieder Freunden geholfen, ich war immer selbstlos. Jetzt dachte ich einfach: Nun bin ich es, der mal Unterstützung benötigt.»
Immerhin werde bei Postauto für ihn gesorgt: Es wird eine interne Beschäftigung geprüft und man hat ihm ein Case Management, ein Sozialmanagement sowie psychologische Unterstützung zur Verfügung gestellt. «Das ist keineswegs selbstverständlich und ich bin dafür sehr dankbar», sagt Roger Theiler. «Aber ich möchte doch einfach nur wieder Busfahren.»
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Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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