Eiskunstlauf-Europameister Britschgi über Missbrauchsskandal

«Vielleicht sind wir zu dumm»
Eiskunstlauf-Europameister Britschgi über Missbrauchsskandal
Ein schwerer Missbrauchsskandal erschüttert den Schweizer Eiskunstlauf. Nun nimmt Europameister Lukas Britschgi Stellung. Er fordert mehr Prävention, hinterfragt die Grenzen im Sport und liefert zum Warum eine schonungslos ehrliche Antwort.
Publiziert: vor 30 Minuten
Joël HahnRedaktor Sport
Wenn Lukas Britschgi (26) über das Eis gleitet, wirkt alles federleicht, elegant und unbeschwert. Doch die Realität abseits des Scheinwerferlichts ist derzeit eine völlig andere. Ein dunkler Schatten liegt über dem Schweizer Eiskunstlauf: Die kürzlich publik gewordene, dreijährige Sperre eines Schweizer Eistänzers wegen Missbrauchs seiner minderjährigen Partnerin erschüttert die Szene.
Trifft man das Schweizer Aushängeschild Britschgi zum Gespräch, weicht das sonst so typische Lächeln des Europameisters von seinem Gesicht, wenn die Sprache auf dieses düstere Kapitel kommt. Der Schaffhauser findet deutliche Worte.
«Hier sind wir noch am Anfang»
Obwohl er die genauen Akten des Falls laut eigenen Angaben nicht im Detail studiert habe, zeigt sich der 26-Jährige spürbar betroffen: «Logisch, wenn du so etwas mitkriegst, redest du darüber. Es ist leider nicht nur in unserem Sport ein allgemeines Thema, aber jetzt trifft es halt gleich wieder mal unsere eigene Szene. Das finde ich enorm schade, wo wir doch so viel Arbeit investiert haben.»
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Dass Missstände heute schneller ans Tageslicht kommen, begrüsst er jedoch ausdrücklich. Britschgi lobt die Arbeit der unabhängigen Meldestelle Swiss Sport Integrity (SSI), sieht allerdings noch massiven Handlungsbedarf in der Prävention: «Zum Glück haben wir diese Instanz jetzt. Aber ich glaube, die Arbeit ist noch lange nicht fertig. Hier sind wir noch am Anfang. Wir müssen noch sehr viel arbeiten, gerade bei der Aufklärung und der Kommunikation.»
Die Frage nach den Grenzen im Spitzensport
Britschgi selbst war als Einzelläufer den spezifischen Dynamiken des Paarlaufs und Eistanzes – wie dem ständigen engen Körperkontakt und der enormen gegenseitigen Abhängigkeit – nie derart ausgesetzt. «Ich hatte zum Glück nie so einen Fall», betont er.
Trotzdem beschäftigt ihn die Thematik weit über den eigenen Trainingsalltag hinaus. Der Fall wirft fundamentale Fragen auf: «Man kriegt ja immer wieder etwas mit. Die grosse Frage, die wir uns ganz grundsätzlich auch als Gesellschaft stellen müssen, ist: Wo sind die Grenzen? Was geht zu weit?»
Auf die bittere Frage, woran es liege, dass es im Sport trotz aller Sensibilisierung im Jahr 2026 immer wieder zu solchen erschütternden Taten komme, atmet Britschgi durch und liefert eine schonungslos ehrliche Antwort: «Ich weiss nicht, woran es liegt. Weil wir vielleicht einfach noch zu dumm sind. Vor allem die Männer.»
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