65 Prozent verbrannt: «Keiner wusste, ob Pauline überleben würde»

Darum gehts
- Manuela Pietri, Inhaberin von Creative Laser in Crans-Montana, kämpft nach der Brandtragödie vom 1. Januar um ihr Geschäft.
- Ihre 26-jährige Mitarbeiterin Pauline wurde schwer verletzt, ein weiterer Mitarbeiter als Ersthelfer traumatisiert.
- Der Umsatz brach um fast 40 Prozent ein, staatliche Unterstützung hat Pietri bislang keine erhalten.
Nach der Brandtragödie vom 1. Januar in Crans-Montana fehlen Manuela Pietri beide Mitarbeitenden. Besonders betroffen ist ihre 26-jährige Angestellte Pauline: Sie erlitt schwere Verbrennungen, lag laut ihrem Vater anderthalb Monate im Koma und musste sich Finger an beiden Händen amputieren lassen. Der zweite Mitarbeiter war Ersthelfer, danach schwer traumatisiert und hat den Skiort danach verlassen.
20 Minuten hat mit dem Einverständnis von Pauline und ihren Eltern mit Manuela Pietri gesprochen. Sie kann sich gut an die Ereignisse nach der tragischen Brandnacht erinnern: Als Pietri nach dem Ereignis versuchte, Pauline über Whatsapp zu erreichen, erhielt sie keine Antwort. Erst über Freunde der jungen Frau habe sie erfahren, dass Pauline schwer verletzt nach Zürich gebracht worden war.
«Es war sehr schwierig zu wissen, in welchem Zustand sie sich befand – und keiner wusste, ob sie überleben würde oder nicht», sagt Pietri. Paulines Haut sei zu 65 Prozent verbrannt gewesen – und gehörte zu den am schlimmsten verletzten Brandopfern.
Anderthalb Monate im Koma
Für die Identifizierung musste Paulines Vater ein Foto ihres Tattoos übermitteln. So konnte festgestellt werden, um wen es sich handelte. Pauline lag rund anderthalb Monate im Koma. An ihrer rechten Hand mussten ihr mehrere Finger amputiert werden. «Sie muss jeden Tag kämpfen, um ihr Leben neu aufzubauen», sagt Pietri.
«Sie kämpft noch immer, ist aber mittlerweile in der Reha», sagt ihr Vater Laurent Peressini zu 20 Minuten. Die meisten Handgriffe im Alltag könne seine Tochter inzwischen selbst erledigen und sie brauche nur noch selten Hilfe. Am schwierigsten sei derzeit die mentale Belastung.
«Sie ist eine Kämpferin»
Für die Unternehmerin war Pauline mehr als eine Arbeitskraft. Pietri hatte Pauline selber ausgebildet und die junge Frau habe gerne an den Maschinen gearbeitet, Produkte geprüft und sei besonders präzise gewesen. «Sie war sehr gut bei diesen Tätigkeiten mit den Händen. Sie liebte ihre Arbeit und war sehr enthusiastisch.»
Pietri weiss, dass viele Arbeiten für ihre ehemalige Angestellte nicht mehr möglich sein werden. «Aber sie ist eine Kämpferin, ich glaube, sie wird ihren Weg finden.» Sie hoffe, dass Pauline sie eines Tages wieder besuche. «Wenn sie nach Crans-Montana kommen möchte, ist sie bei mir herzlich willkommen.» Gleichzeitig wisse sie, dass die Erinnerungen an den Ort für die junge Frau schwer sein könnten.
Brand veränderte auch Pietris Leben
Neben dem persönlichen Schicksal trifft die Brandtragödie Pietris Betrieb wirtschaftlich sehr hart. Die Laser- und UV-Maschinen benötigen geschultes Personal. Neue Mitarbeitende einzuarbeiten, brauche mindestens sechs Monate, bis sie selbstständig alle Maschinen bedienen können. Dazu kämen eben die ausbleibenden Aufträge und die fehlende Laufkundschaft.
Pietri veredelt in ihrer Werkstatt Kleidung, Geschenke und Golfbälle. Ihr Geschäft arbeitet vor allem für Hotels, Firmen und Touristinnen und Touristen in Crans-Montana. Doch nach der Brandtragödie ist ihre Werkstatt nicht mehr dieselbe.
Hoffnung auf die Ski-WM
«Wir haben fast 40 Prozent unseres Umsatzes verloren», sagt Pietri. Ihr Betrieb sei vom Tourismus abhängig. Staatliche Unterstützung von Gemeinde oder Kanton habe sie bislang keine erhalten. Im Gegenteil: Die Gemeinde Crans-Montana spreche von einer baldigen Steuererhöhung. Im Sommer habe sie deshalb sogar an eine Schliessung gedacht.
Hoffnung geben Pietri ihre treuen Kunden sowie Bestellungen für personalisierte Golfbälle. Die Golf-Artikel hätten ihr Sommergeschäft gerettet. Auch die bevorstehenden Ski-Weltmeisterschaften könnten wieder mehr Gäste nach Crans-Montana bringen. Trotzdem bleibt die Unsicherheit gross: «Ich stehe jeden Morgen auf und weiss nicht, wie der Tag aussehen wird.»
Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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