Datenklau bei Online-Bank – Hackerangriff auf Revolut trifft viele Schweizer Bankkunden

Das ist passiert: Die Online-Bank Revolut hat Kontodaten von fast 700 Kundinnen und Kunden an Kriminelle ausgehändigt. Revolut ging davon aus, mit den italienischen Strafverfolgungsbehörden zu kommunizieren und hat die Daten deshalb weitergegeben.
So lief der Hackerangriff ab: Gehackt wurde nicht Revolut direkt, sondern der Kommunikationskanal einer italienischen Behörde. Die Hacker gaben sich daraufhin als Strafverfolgungsbehörde aus, setzten Revolut unter Druck und forderten die Zusammenarbeit bei einer vermeintlichen Ermittlung. «Nach aktuellem Kenntnisstand scheint Revolut nur indirekt Verantwortung für den Vorfall zu tragen», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Pascal Lago. Für Revolut habe es tatsächlich so ausgesehen, als stamme die Anfrage von einer italienischen Behörde.
Digitale Post in Italien angegriffen
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In Italien gibt es eine Art digitale Post, einen offiziellen Kommunikationskanal zwischen Behörden und Unternehmen. Er heisst PEC (Posta Elettronica Certificata). Dieser Kanal steht unter Aufsicht der italienischen Behörden und wird offiziell für rechtliche und behördliche Kommunikation genutzt.
Das wurde gestohlen: Entwendet wurde kein Geld, dafür aber sensible Kundendaten wie Passdaten, Kontonummern und Adressen. Revolut hat dies bestätigt. Laut der britischen Zeitung Financial Times sind vor allem Kunden aus der Schweiz betroffen. In der Schweiz sind aktuell über eine Million Personen Kundinnen und Kunden dieser Bank. Hierzulande nutzen die meisten Revolut bislang als Zusatzkonto – oft als Ferienbank für Zahlungen im Ausland, auf die Revolut vergleichsweise geringe Gebühren erhebt.
Das wollen die Hacker: Laut SRF-Wirtschaftsredaktor Pascal Lago ist derzeit noch vieles unklar. «Die Hacker gehen sehr unkonventionell vor. Sie haben ihre Lösegeldforderung auf einer Website veröffentlicht.» Sie verlangten von Revolut drei Millionen Dollar, damit die sensiblen Kundendaten nicht veröffentlicht werden. «Normalerweise verhandeln Hacker im Hintergrund direkt mit ihren Opfern», sagt Pascal Lago. Revolut habe den britischen Medien jedoch mitgeteilt, dass das Unternehmen von den Hackern bisher gar nicht kontaktiert worden sei. «Die Täter wenden sich also lieber an die Öffentlichkeit als direkt an das betroffene Unternehmen. Das wirft viele Fragen auf, zum Beispiel, ob es tatsächlich nur um Geld geht oder ob die Cyberkriminellen andere Motive haben könnten.»
So reagiert Italien: In Italien weiss man aktuell nicht, ob möglicherweise auch noch weitere Behörden kompromittiert wurden. «Deshalb herrscht in Italien derzeit grosse Nervosität», sagt Pascal Lago. Die Hacker könnten zudem an Daten vieler weiterer Unternehmen gelangen. Deshalb ermittelten nun ebenfalls die italienischen Behörden in diesem Fall.
Was das für Revolut bedeutet: Für die Bank Revolut kommt der Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Bank hat in der Schweiz diese Woche eine Banklizenz beantragt. Zudem möchte sie künftig auch Lohnkonten anbieten. «Unklar ist, ob Revolut dadurch einen Imageschaden erleiden wird, gerade jetzt, da die Bank mit einer Schweizer Banklizenz ihre Präsenz im Land weiter ausbauen möchte», sagt Pascal Lago.
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