Internetbank – Revolut bringt Mechanismen der Videospiele in die Finanzwelt

Vor elf Jahren erst ist sie gegründet worden, und bereits hat sie Grössen wie die Deutsche Bank, Barclays oder die Société Générale überholt. Die britische Internet-Bank Revolut hat weltweit rund 75 Millionen Kundinnen und Kunden und eine Marktbewertung von 115 Milliarden Dollar.
Der Erfolg von Revolut beruht auf ihrem Modell: Es ist keine traditionelle Bank mit Hunderten Filialen, Schaltern, Geldautomaten und Tausenden Beraterinnen und Beratern. Alles läuft über eine App.
Dies ermöglicht dem Unternehmen eine viel schlankere Struktur und eine drastische Senkung der Kosten. Revolut beschäftigt rund 13'000 Mitarbeitende, während Gruppen wie die UBS über 100'000 Mitarbeitende zählen.
Was den Erfolg der Internet-Bank Revolut ausmacht:
Über die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer von Revolut sind unter 35 Jahre alt. Um sie anzuziehen, setzt das Unternehmen auf Partnerschaften mit Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken. Das Unternehmen soll 2025 rund 750 Millionen Franken für Marketing aufgewendet haben.
Der Code der Videospiele
Revolut orientiert sich auch am Geschäftsmodell von Videospielen, um seine Kundschaft zu vergrössern. Das Prinzip besteht darin, möglichst viele Menschen mit einem kostenlosen Basisangebot anzulocken und dann die Kunden schrittweise zu ermutigen, die Vorteile eines kostenpflichtigen zusätzlichen Angebots zu entdecken: eine Premium-Karte mit exklusiven Designs, eine Reiseversicherung, kostenlose Abonnements für Partnerdienste oder Rückerstattungen. So machen es auch Anbieter von Videospielen wie Fortnite oder Candy Crush.
Frankreich gibt Revolut Banklizenz
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Die Internetbank Revolut hat Mitte August eine französische Banklizenz erhalten und will in Paris ihren Hauptsitz für Westeuropa ausbauen. Bisher arbeitete Revolut in Europa mit einer litauischen Banklizenz. Eine französische Lizenz braucht Revolut laut SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Schmugge etwa für das für Banken sehr wichtige Kredit- und Hypothekargeschäft. Denn dafür ist eine lokale Banklizenz nötig. Diese bietet der französischen Kundschaft auch mehr Sicherheit. Beispielsweise für den Fall, dass das Unternehmen pleitegehen würde. «Das Geld wäre dann bis zu einer gewissen Höhe sicher – im Jargon heisst das Einlagensicherung», so Schmugge.
Nach eigenen Angaben hat Revolut in der Schweiz mehr als eine Million Kundinnen und Kunden – ihre Konti laufen ebenfalls über die litauische Banklizenz. Damit sind beispielsweise ihre Einlagen nicht gesichert. Laut Branchenkennern strebt Revolut auch in der Schweiz eine Banklizenz an. «Damit würde die Neobank Zugang zum hiesigen Hypothekargeschäft bekommen, das sehr lukrativ ist», schliesst Schmugge. «Und das dürfte den Zulauf von Kundinnen und Kunden hierzulande sicher noch weiter erhöhen.»
«Sie haben die Codes der Gamification übernommen», erläuterte Brewen Latimier, Berater bei der Firma Colombus Consulting, im Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Das beginne beim Design der App: Es habe wenig zu tun mit der traditionellen Finanzwelt, dafür umso mehr mit den beliebten sozialen Netzwerken wie Instagram und Tiktok.
Gemäss Latimier hat Revolut in seiner App auch manches eingebaut, was «mit Suchteffekten und Dopamin zusammenhängt». So offeriere sie etwa gratis eine gewisse Anzahl Finanzgeschäfte. Vor Monatsende schicke die App den Nutzerinnen und Nutzern dann Mitteilungen, wonach noch zwei oder drei kostenlose Trades übrig seien.
Banalisierung des Investierens
Andere Internetbanken wie N26, Bunq oder auch Monzo haben dieses Modell reproduziert. Diese sogenannten Fintechs haben Trading zugänglicher gemacht. Aktien oder Kryptowährungen zu kaufen oder zu verkaufen, das geht mit wenigen Klicks.
Eine einfache Benutzeroberfläche, eine Echtzeitkonsultation der Leistungen, Belohnungssysteme: Alles ist darauf ausgelegt, zum Griff ins Portemonnaie zu ermutigen.
Diese Systeme hätten das Investieren «banal» gemacht, analysiert Latimier. «Heute ist es genauso einfach, 15 oder 30 Franken in Apple zu investieren, wie in einer Bar in der Stadt etwas trinken zu gehen.»
Für junge Menschen, die teils schlecht informiert seien über die Finanzwelt, sei das eine Gefahr. «Diese neuen Banken haben den Zugang zum Investieren demokratisiert, aber nicht das Wissen darüber, wie man investiert», betont Latimier. «Das wahre Risiko besteht darin, kurzfristig zu denken, beeinflusst von den Plattformen und von gewissen Netzwerken, und schlechte Entscheidungen zu treffen.»
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