Wasserknappheit im Domleschg – Wenn das Trinkwasser mit Lastwagen ins Dorf kommt

Was noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien, wird im Domleschg zur konkreten Option: Trinkwasser soll bei Bedarf mit Lastwagen nach Feldis und Scheid gebracht werden. Die Gemeinde reagiert damit auf sinkende Quellschüttungen und eine Wasserknappheit, die sich seit Monaten verschärft.
Seit dem Sommer liefern die Quellen in den beiden Ortsteilen immer weniger Wasser. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte der Bedarf in Feldis bereits ab Anfang November und in Scheid ab Mitte Dezember nicht mehr vollständig gedeckt werden. Mit Wassertransporten möchte die Gemeinde deshalb für den Ernstfall vorsorgen.
Künftig soll Wasser aus dem Tal per Lastwagen in die beiden Bergdörfer gebracht werden. Dazu werden Trinkwassersilos und ein Lastwagen gemietet. Pro Fahrt können rund 25’000 Liter Wasser transportiert werden. Im Notfall lasse sich damit die Versorgung der beiden Dörfer stützen, sagt Gemeindepräsident Pius Giger.
Die Kosten bezeichnet Giger als «moderat». Weil die Gemeinde über einen Mitarbeiter mit Lastwagenprüfung verfüge, fielen nur Mietkosten für Fahrzeug und Trinkwassersilos an. Teurer dürfte es über die Festtage werden: Dann steigt der tägliche Verbrauch in Feldis wegen der Feriengäste zeitweise auf rund 200 Kubikmeter und damit auf mehr als das Dreifache des üblichen Bedarfs.
Ich habe grosses Verständnis. Jetzt müssen alle am gleichen Strang ziehen.
Für viele Einwohnerinnen und Einwohner ist die Situation ungewohnt. Rund hundert Personen informierten sich an einem Informationsabend über die geplanten Massnahmen. Die meisten zeigten laut einer Umfrage von RTR Verständnis für die Sparappelle der Gemeinde. Man müsse nun gemeinsam Verantwortung übernehmen, war aus der Bevölkerung zu hören. «Jetzt müssen wir alle am gleichen Strang ziehen», sagte beispielsweise eine Einwohnerin am Infoabend.
Ich frage mich, ob sich die Gäste an die Sparappelle halten.
Trotz der präsentierten Lösungen bleiben Fragen offen. Mehrere Einwohnerinnen und Einwohner äusserten am Informationsabend ihre Sorge über die weitere Entwicklung. Wasserknappheit sei zwar nicht neu, die aktuelle Lage werde aber als besonders angespannt wahrgenommen. Mit Blick auf die Herbstferien beschäftigt viele zudem, ob sich auch Gäste an die Sparvorgaben halten. «Ich frage mich, ob sich die Gäste an die Sparappelle halten», sagte eine andere Besucherin.
Die Gemeinde versucht deshalb, neben konkreten Massnahmen vor allem Sicherheit zu vermitteln. Das Ziel sei nicht, Angst zu schüren, sondern aufzuzeigen, dass die Trinkwasserversorgung auch bei weiter sinkenden Quellschüttungen gewährleistet werden könne, sagt Gemeindepräsident Pius Giger. Er zieht eine positive Bilanz zum Informationsabend. Zwar seien auch kritische Fragen gestellt worden, insgesamt habe die Bevölkerung die Informationen aber gut aufgenommen.
Der Fall zeigt, dass sich selbst Regionen, die lange als wasserreich galten, auf neue Realitäten einstellen müssen. Graubünden werde oft als «Wasserschloss» wahrgenommen, so Giger. Doch die Situation in Feldis und Scheid macht deutlich: Auch in alpinen Gemeinden ist eine sichere Wasserversorgung nicht mehr selbstverständlich.
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Regionaljournal Ostschweiz, 13.10.2026, 12:03 Uhr ; kelk;gotl;brus
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