Fantastisch gereift!: Ein Wein für die Ewigkeit
Oder doch fast. Der oft unterschätzte Chasselas besitzt eine viel zu wenig bekannte Qualität: Er vermag hervorragend zu reifen. Das beweisen nicht zuletzt grosse Crus aus dem Dézaley.
Publiziert: vor 10 Minuten
Darum gehts
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- Chasselas wird meistens jung und zum Apéro getrunken
- Mit den Jahren wird er immer tiefgründiger und komplexer
- Chasselas aus guten Lagen kann mindestens zwanzig Jahre vorteilhaft reifen
Eva ZwahlenRedaktorin Wein
Der Chasselas hat es nicht leicht in unserer lärmigen Gegenwart, denn lautes Auftreten liegt ihm nicht. Er punktet weder mit knalligen Aromen noch mit zackiger Säure. Im Gegenteil: Diskret, verhalten, mit moderater Säure, verlangt er von denen, die ihn geniessen, Geduld und den Willen, sich auf ihn einzulassen. Erst dann enthüllt er seine subtilen Aromen und seine finessenreiche Struktur.
Ein junger, spritziger Chasselas eignet sich hervorragend zum Apéro. Süffig, unkompliziert, bekömmlich – was will man mehr? Wenn man jedoch alle aus der weissen Hauptsorte der Schweiz gekelterten Weine jung geniessen würde, wäre das mehr als schade. Denn mit zunehmender Reife entfalten die besten von ihnen eine ungeahnte Komplexität und Tiefgründigkeit.
Die Zeit vollbringt Wunder
Und manchmal braucht ein Chasselas aus besonders guten Lagen einfach Zeit. Jahre, in denen er nach und nach seine ganze Kraft und Vielschichtigkeit entfalten und sein Terroir offenbaren kann. Auf diese Fähigkeit setzt seit mehr als dreissig Jahren die Baronnie du Dézaley, ein Zusammenschluss von zwölf Winzern, die nach einer strengen Charta grosse Weine in der prestigereichen Grand-Cru-Lage Dézaley produzieren.
Aber auch Produzenten wie die Domaines La Colombe in Féchy, Monachon in Saint-Saphorin, Blaise Duboux in Epesses, Château Maison Blanche oder Clos du Crosex Grillé in Yvorne beweisen Jahrgang für Jahrgang, dass Chasselas nicht nur älter, sondern grösser wird. Sie alle gehören zur Vereinigung Mémoire des Vins Suisses, in deren Schatzkammer ihre Weine der Vollendung entgegenreifen.
Der Grandseigneur des Dézaley
Mitglied von Baronnie und Mémoire des Vins Suisses ist Louis-Philippe Bovard, der das Familienweingut in Cully im Jahr 1983 in zehnter Generation übernommen hat. Fast revolutionär mutete es seinerzeit an, als er neben Chasselas andere Sorten wie Chenin Blanc oder Sauvignon Blanc im Königreich des Chasselas anpflanzte, doch blieb er der Urwaadtländersorte stets treu verbunden.
Mehr als das: Er gründete eigens das Conservatoire du Chasselas, das die vielen alten, qualitativ hochstehenden Selektionen dieser Varietät erforscht und bewahrt. Und er legte eine einzigartige Kollektion alter Dézaley-Jahrgänge an, um zu beweisen, wie vorzüglich dieser Wein reifen kann.
Die Metamorphose
Tatsächlich entfaltet ein Dézaley (und jeder andere Chasselas guter Herkunft) mit den Jahren spannende Akzente, die an Honig, Bienenwachs, getrocknete Früchte, gebrannte Mandeln oder Marzipan erinnern, untermalt von Feuerstein und feinen Rauchnoten.
Verblüffenderweise erinnert ein gereifterer Chasselas, der gut zwanzig Jahre lang vorteilhaft altern kann, zunehmend an einen weissen Burgunder. Entsprechend interessant wird er dann für Spitzengastronomen, die ihn nicht nur mit reifem Gruyère (das ist der Geheimtipp für zu Hause), sondern auch mit elaborierten Kreationen der Gourmetküche kombinieren. Unbedingt ausprobieren!
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