Literatursensation gibt zu: «Habe inakzeptable Fehler begangen»

- Der kanadisch-haitianische Autor Thélyson Orélien (38) gibt zu, in seinem Roman Texte anderer Autoren plagiiert zu haben.
- Den Vorwurf, «C'était ça ou mourir» von einer KI schreiben lassen zu haben, bestreitet er.
- Seine Verlage setzten die Promotions-Tournee aus, er kehrte aus Frankreich nach Québec zurück.
Der kanadisch-haitianische Schriftsteller Thélyson Orélien erklärt am Dienstag in einem der AFP übermittelten Text, dass «kein einziger Satz» seines Romans «von einer KI erstellt wurde», wie ihm vorgeworfen wird. Dennoch entschuldigt sich der 38-Jährige für Plagiate in seinem Buch, für die er die Verantwortung übernimmt.
Dieses Statement kommt drei Wochen nachdem der Vorwurf aufkam, die vom X-Account «Balance ton Claude» erhoben wurden – er soll massiv auf generative künstliche Intelligenz zurückgegriffen haben, um «C'était ça ou mourir» zu schreiben, eines der Bestseller des literarischen Herbstes in Frankreich. Es ist Oréliens erster Roman. Sein Erfolg aus dem Nichts machte ihn über Nacht zur Literatursensation. Als Herausgeber hat Orélien die renommierten Verlage Grasset und Les Éditions du Boréal gewonnen.
«Man behauptet, dass der Roman ‹C'était ça ou mourir (dt.: Entweder das oder sterben› von einer künstlichen Intelligenz verfasst wurde. Das ist eine Verleumdung und Ketzerei. Ich habe hier und da auf Hilfsmittel für Recherchen zurückgegriffen, insbesondere bei fremdsprachigen Redewendungen. Aber kein einziger Satz dieses Buches wurde von einer Maschine erstellt», schreibt Thélyson Orélien. «Diesen Roman habe ich selbst geschrieben. Er kommt aus meinen Wunden und aus denen der anderen Migranten. Diese Wunde des Exils, von der man nicht geheilt wird. Dieser Roman ist ihre Frucht, er ist die Frucht meiner Arbeit, er ist mein Werk», fügt er hinzu.
«Inakzeptable Fehler»
Der Autor gibt in seinem Text an, mit dem Schreiben «im Herbst 2017, an einer Tischecke» in Québec begonnen zu haben, wo er seit 2010 lebt, nachdem er Haiti nach einem schweren Erdbeben verlassen hatte. «Ich habe eine erste Fassung dieses Textes im Jahr 2019 fertiggestellt», präzisiert er, ohne jedoch Belege dafür vorlegen zu können. Bis dahin hatte der Romancier nicht explizit auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe reagiert.
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In seinem Text räumt Thélyson Orélien ein, «inakzeptable Fehler begangen» zu haben, indem er nach seiner Ankunft in Kanada Texte anerkannter Autoren plagiiert hat. «Ich bedauere dies zutiefst und entschuldige mich vorbehaltlos», schreibt er.
Sein kanadischer Verleger, Les Éditions du Boréal, hatte am 25. September die Aussetzung der Promotions-Tournee des Romans bekanntgegeben. Zwei Tage später unterbrach Thélyson Orélien auch seine Tournee in Frankreich und kehrte nach Québec zurück, wo er seither geschwiegen hat.
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Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».
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