Hackerangriffe auf Firmen – Gibt es mehr Cyberangriffe auf Schweizer Unternehmen?

Verschiedene Pensionskassen sind potenziell von einem Datenklau betroffen, darunter jene der Migros, der Post, des Bundes und der Stadt Zürich, wie verschiedene Medien berichten. Angegriffen wurde ein Softwareanbieter, dessen Programme sie für die Kundenverwaltung nutzen. Zuvor wurden Angriffe auf Ricardo und die SRG bekannt. Ob sich solche Vorfälle tatsächlich häufen, erklärt SRF-Digitalredaktor Reto Widmer.
Reto Widmer
SRF Digitalredaktion
Reto Widmer erklärt seit 2006 als Technologie-Korrespondent die digitale Welt und ordnet Digitalisierungsvorgänge ein. Zuvor war er als selbständiger Webentwickler unterwegs und unterrichtete das Thema «Web» an einer grossen Computerschule. Sein erster Computer war ein Atari ST, der bei seinem Grossvater stand. Seit dieser Begegnung ist er dem Computervirus verfallen, hat selber bis heute zum Glück aber noch nie einen eingefangen.
Gibt es mehr Cyberangriffe auf Schweizer Unternehmen und Institutionen?
Auf den ersten Blick entsteht dieser Eindruck. Angriffe geschehen aber dauernd, jede Sekunde. Die meisten sind erfolglos, deshalb bekommen wir sie nicht mit. Zugenommen haben die Meldungen: Im Monat vor Einführung der Meldepflicht meldeten sieben Unternehmen einen Vorfall, im Monat danach über 20. Diesen September waren es 63. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass auch die erfolgreichen Angriffe zugenommen haben. Es kann sein, dass Unternehmen solche Vorfälle zuvor eher unter den Teppich gekehrt haben und wir nie davon erfahren haben.
Seit dem 1. April 2025 müssen Betreiber kritischer Infrastrukturen bestimmte Cyberangriffe melden, etwa wenn Daten entwendet werden. Seit Anfang April habe es bis Ende September 164 Meldungen zu Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen gegeben, teilte das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) in einer ersten Bilanz mit. Am meisten Meldungen gab es aus der Finanzbranche.
Wenn Betreiberinnen von kritischen Infrastrukturen Cyberangriffe künftig nicht melden, müssen sie wegen Verstosses gegen diese Pflicht mit einer Busse von bis zu 100'000 Franken rechnen.
Melden Unternehmen Cyberangriffe auch freiwillig?
Firmen informieren heute eher und schneller darüber. Früher war die Scham wohl grösser: «Wir haben versagt, wir verschweigen das lieber.» Wurde ein Vorfall später publik, war es umso peinlicher. Deshalb handeln viele Unternehmen heute proaktiv. Zudem stehen sie als Opfer nicht mehr allein am Pranger: Auch bekannte Firmen wurden schon angegriffen. Das trägt zur Häufung der Medienberichte bei. Dadurch haben wir auch den Eindruck, es werden immer mehr.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?
Die KI-Debatte ist riesig. Deshalb denken wir schnell, hinter einem Angriff müssten KI-Agenten stecken. Das kann ein Trugschluss sein. Natürlich hilft KI dabei, neue Schwachstellen in Software zu erkennen: Sie kann grossflächig Codes analysieren, schneller als ein Mensch. Daraus folgt aber nicht, dass bei jedem Angriff KI zum Einsatz kommt. Oft reichen den Angreifenden bereits vorhandene Werkzeuge.
Welche KI-Werkzeuge stehen Cyberkriminellen zur Verfügung?
Gängige Chatbots wie ChatGPT haben Schutzmechanismen, die verhindern sollen, dass sie bei Cyberangriffen helfen. Daneben gibt es sogenannte «Malicious AI»: Modelle, die gezielt für schädliche oder kriminelle Zwecke entwickelt werden. Ihr Einsatz erfordert Zeit und Wissen. Und das haben nicht alle Cyberkriminellen. Sie können solche Modelle auch mieten. Die benötigte Rechenleistung kostet allerdings Geld.
Warum braucht es für erfolgreiche Angriffe oft keine KI?
Viele Unternehmen haben weiterhin eine ungenügende Cyberhygiene. Sie haben Schwachstellen nicht geflickt, die seit Jahren bekannt sind. Um diese auszunutzen, braucht es keine KI. Angreifende können beispielsweise fertige Phishing-Kits für wenige Hundert Dollar pro Monat mieten. Umgekehrt gilt: Wenn ein Unternehmen einen sehr guten Cyberschutz hat, haben auch KI-Agenten Mühe.
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