Tempranillo ist Spaniens liebste Sorte

Eine rote Rebe macht sich breit
Tempranillo ist Spaniens liebste Sorte
Spaniens Weinproduzenten haben in den letzten Jahren vermehrt auf Tempranillo gesetzt. Die Verkaufserfolge können sich sehen lassen, doch nicht alle Erwartungen wurden erfüllt. Der Boom jedenfalls ist gebrochen.
Publiziert: vor 15 Minuten
- Die Sorte Tempranillo hat sich stark ausgebreitet
- Nur Cabernet Sauvignon und Merlot werden häufiger angebaut
- Die daraus gekelterten Weine sind ausgesprochen vielfältig
Stefan KellerRedaktor Wein
Weltweit am meisten angebaut wird Cabernet Sauvignon, es folgt Merlot. Bereits an dritter Stelle steht Tempranillo. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Sorte in bedeutendem Umfang nur in Spanien und Portugal angebaut wird.
Die aktuelle Studie der University of Adelaide zählt weltweit 226'805 Hektaren, die mit Tempranillo bestockt sind; dies entspricht 5 Prozent der weltweiten Weinbaufläche. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Sorte um 134'000 Hektaren ausgebreitet.
Rückläufiger Anbau in Spanien
In Spanien hat Tempranillo die weisse Airén als führende Sorte abgelöst. Allerdings hat die neue Nummer 1 ihren Höhepunkt überschritten: Seit ein paar Jahren ist ihr Anbau rückläufig.
Die bedeutendsten Anbauflächen befinden sich in den Regionen Kastilien-La Mancha (68'938 Hektaren), Kastilien und León mit den Anbaugebieten Ribera del Duero und Toro (42'022) sowie in der Rioja (36'050).
Die Herkunft liegt im Dunkeln
So wenig Präzises über die Verbreitung bekannt ist, so wenig Verlässliches weiss man auch über die Herkunft. Theorien, die eine Verwandtschaft mit Pinot noir nachweisen wollten, haben sich nicht bestätigt.
Im Vergleich zum Cabernet Sauvignon sind die Beeren etwas grösser und die Schalen weniger dick. Im Anbau gilt Tempranillo als empfindlich; dazu trägt seine Neigung bei, leicht zu verrieseln.
Aus diesem Grund eignet sich die Einzelstockerziehung besser als der Drahtrahmenanbau, denn herunterhängendes Laub schützt den Fruchtansatz. Die Sorte reift eher früh (spanisch temprano = früh), was ihr den Namen Tempranillo eingetragen haben soll.
Tempranillo ja gerne – aber wie?
Die hohen Erwartungen, die man an das Zugpferd Tempranillo geknüpft hat, haben sich auf dem Markt bisher nicht vollständig erfüllt. Es sind Weichheit und Seidigkeit, die der Tempranillo Weltruf beschert haben – aber auch Ablehnung: So eine weiche, zugängliche Sorte tauge zu nichts, mäkeln ihre Kritiker.
Sicher ist, dass es für die Konsumentinnen und Konsumenten anspruchsvoll ist, sich angesichts der ganz unterschiedlichen Weintypen, die je nach Herkunft und Produzent gekeltert werden, zu orientieren.
Im letzten Jahrzehnt der spürbaren Klimaerwärmung wurde deutlich, dass es sich bei Tempranillo um eine sehr säurearme Sorte handelt, jedenfalls um keine Sorte mit einem soliden Säuregerüst.
Das Klima keltert mit
Tempranillos, wie wir sie heute kennen, sind ein Phänomen des Klimawandels. Noch Anfang der 1980er-Jahre war es unmöglich, auf natürliche Weise einen Tempranillo mit 14 Volumenprozent zu keltern.
Das Problem war vielmehr, überhaupt reife Trauben ernten zu können, und so war kaum ein Klassiker in der Rioja nicht mit einer ordentlichen Portion Garnacha (Grenache) angereichert. Sonst wären die Weine kaum trinkbar gewesen: zu dünn, zu ausgezehrt – und das schon in jungem Stadium. Garnacha brachte Alkohol und Volumen; heute wird sie in der Rioja gemieden.
Liebhaberinnen und Liebhaber französischer Weine werfen Tempranillo-Gewächsen vor, sie hätten zu wenig Struktur, und es gibt Connaisseurs, die Tempranillo zwar als gute, immer aber auch als kommerzielle Sorte beurteilen.
Geprägt von Seide und Frucht
Was sie unbestritten charakterisiert, sind Seidigkeit und eine ausgesprochene Fruchtigkeit – eine Fruchtigkeit, die, wenn der Wein gekonnt gekeltert wird, auch einen heftigen Holzeinsatz verdaut. Das gelingt leider zu oft nicht: Viele Weine sind durch übermässigen Barrique-Einsatz gezeichnet.
In jungem Zustand sind in erster Linie Kirschnoten erkennbar, bei konzentrierten und wärmeren Weinen Pflaumennoten. Vor allem modern ausgebaute Tempranillos erinnern an Eukalyptus und Minze. Würzig ist Tempranillo nicht, auch wenn der Wein manchmal so schmecken kann. Es ist die amerikanische Eiche, die diesen Geschmack in den Wein bringt.
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