Droht jetzt ein Krieg der Sterne?

Angst vor Putins Starlink-Alternative – Selenski fordert Sanktionen, Medwedew droht
Droht jetzt ein Krieg der Sterne?
Russland treibt eine Starlink-Alternative voran. Die Ukraine fürchtet Netzabdeckung an der Front und drängt die USA nun zu Sanktionen gegen das Putins Weltraumprojekt. Was steckt hinter dem Vorhaben?
Publiziert: vor 23 Minuten
- Russland baut Rasswet als Starlink-Alternative
- Kiew fürchtet Frontnetz und Chinas mögliche Hilfe
- Selenski fordert Sanktionen, Medwedew droht
Janine EnderliRedaktorin News
Der Krieg in der Ukraine spielt sich schon lange nicht mehr nur in den Schützengräben ab, sondern auch hoch oben im Weltraum. In der Zwischenzeit verlassen sich die Armeen extrem auf Drohnen, Satellitendaten und schnelles Internet. Ohne die Starlink-Satelliten von Elon Musk (55) könnte sich die Ukraine kaum gegen russische Angriffe wehren beziehungsweise Gegenschläge unternehmen.
Russland hat nun angekündigt, mit dem Projekt Rasswet des Unternehmens Bureau 1440 im Eiltempo eine eigene Starlink-Alternative auf die Beine zu stellen. Was steckt hinter Putins Weltraumprojekt? Die wichtigsten Fragen im Überblick.
1.
Warum macht sich die Ukraine Sorgen?
Bei seinem Vorhaben bekommt der Kreml laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (48) Schützenhilfe aus China. «Wir wissen, dass China an Satelliten arbeitet und überlegt, Russland mit einem ähnlichen System wie Starlink zu unterstützen», so Selenski gegenüber der «Financial Times».
In Kiew wächst die Sorge vor einer russischen Netzabdeckung an der Front, die gegen ukrainische Soldaten eingesetzt werden könnte. Um den Bau der Satelliten noch im Keim zu ersticken, hat sich Selenski bereits direkt an US-Präsident Donald Trump (80) gewendet – mit der klaren Forderung nach Sanktionen gegen Putins Weltraum-Projekt. Auch auf Sanktionen gegen chinesische Akteure drängt Selenski.
2.
Wie sieht die Starlink-Alternative genau aus?
«Rasswet» bedeutet Morgendämmerung auf Russisch. Das Projekt soll eine von Starlink unabhängige Satellitenkonstellation für Internet- und Datenverbindungen aufbauen. Der entscheidende Grund für den Aufbau Rasswets ist die Blockade von Musks Starlink für die russische Armee Anfang des Jahres.
Die neue Technologie kann auch militärisch eingesetzt werden – zum Beispiel für Kommunikation, die Übertragung von Echtzeitdaten sowie die Steuerung von Kampfdrohnen.
Rasswet ist staatlich finanziert. 2026 begann der Aufbau der eigentlichen Konstellation. Im Frühling und Sommer wurden bereits insgesamt 32 Satelliten gestartet, die sich gemeinsam mit Testsatelliten im All befinden. Ende 2027 sollen schliesslich 292 Rasswet-Satelliten einsetzbar sein. Bis 2035 sind 900 geplant.
3.
Wie funktioniert das System?
Rasswet nutzt ein System aus über 900 kleinen Satelliten, um eine flächendeckende Abdeckung zu erzielen. Diese kreisen in einer niedrigen Erdumlaufbahn auf rund 500 Kilometern Höhe, wodurch sich die Signalverzögerungen (Latenzen) im Vergleich zu traditionellen, geostationären Satelliten drastisch verkürzen. Bei der Signalverarbeitung empfangen die einzelnen Satelliten Daten von Bodenstationen oder Endgeräten (Uplink), verstärken diese, passen die Frequenz an und leiten sie direkt an ihr Ziel auf der Erde weiter (Downlink).
4.
Wie reagierte Moskau?
Die Reaktion auf Selenskis Aussagen kam umgehend. Dmitri Medwedew (61), Russlands Ex-Präsident, drohte auf Telegram vor einem «Krieg im Weltall». «Der Wunsch eines Kiewer Trottels nach einer Rasswet-Blockade würde nichts anderes als Zerstörung nach sich ziehen», erklärte Medwedew. Er hoffe, dass den USA dies bewusst sei. Wenn nicht, könne dies zu Aktionen gegen Starlink führen.
Für den Fall der Zerstörung von Rasswet würden «die Starlink-Satelliten in niedriger Umlaufbahn wie Schmuckstücke von einem vertrockneten Weihnachtsbaum herunterfallen». Im All sei es wichtig «höflich zueinander zu sein».
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