Ewigkeitschemikalie PFAS – Kanton St. Gallen verschärft PFAS-Kurs – Kritik vom Bauernverband

Ewigkeitschemikalie PFAS Kanton St. Gallen verschärft PFAS-Kurs – Kritik vom Bauernverband
Ein Brief des Kantons St. Gallen an die Bauern sorgt für Aufsehen. Die Zügel rund um PFAS werden angezogen.
10.09.2026, 20:40
Von den 3500 Bauernhöfen im Kanton St. Gallen gehört einer Ruedi Thomann, Präsident des St. Galler Bauernverbands. Auch wenn sein Betrieb in Valens nicht mit PFAS belastet ist, ist Thomann mehr als nur überrascht über den Brief, den die St. Galler Bäuerinnen und Bauern erhalten haben.
«Ich bin erschrocken. Die Regierung schiebt die Verantwortung auf die Landwirtschaft ab, obwohl diese nichts dafür kann», so Thomann.
Selbstkontrolle gefordert
Der Kanton St. Gallen verschickte ein Schreiben an potenziell betroffene Betriebe. Dieses Schreiben liegt SRF vor. Der Kanton stellt in aller Deutlichkeit klar, dass unter anderem der Verkauf von Fleisch mit zu hohen PFAS-Werten nicht mehr toleriert werde wie bis jetzt, und fordert sie zu Tests auf.
Im Brief steht: «Vor diesem Hintergrund wird von Ihnen erwartet, dass Sie, basierend auf der Lebensmittelgesetzgebung, im Rahmen der gesetzlichen Selbstkontrolle nur Produkte in den Verkehr bringen, bei denen die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen durch Sie sichergestellt ist.»
Und der Kanton droht: «Werden im Rahmen amtlicher Kontrollen Höchstwertüberschreitungen festgestellt, können je nach Sachverhalt verwaltungsrechtliche und gegebenenfalls auch strafrechtliche Massnahmen erforderlich werden.»
Der St. Galler Gesundheitsdirektor Bruno Damann beschwichtigt. Der Kanton bezahle die Tests und entschädige Betriebe, die ihre Waren wegen zu hoher Werte nicht mehr verkaufen können. «Wir wollten den Bauern nochmals klarmachen, dass die Selbstkontrolle deren Aufgabe ist.»
Jahrzehntelang gelangte das Fleisch auch in den Verkauf. Und jetzt eilt es plötzlich?
Die PFAS-Chemikalien gelangten bis in die 1990er-Jahre durch ausgetragenen Klärschlamm in die Böden. Dass dieser Klärschlamm PFAS enthielt, war niemandem bewusst.
Die St. Galler Bauern fühlen sich vor den Kopf gestossen. Das Vorgehen des Kantons führe faktisch dazu, dass einzelne Betriebe nichts mehr produzieren könnten. Verbandspräsident Thomann plädiert für eine längere Schonfrist. Die Grenzwerte gelten seit zweieinhalb Jahren: «Die Landwirtschaft ist bestrebt, diese Werte einzuhalten. Jahrzehntelang gelangte das Fleisch auch in den Verkauf. Und jetzt eilt es plötzlich?»
Ein Meinungsumschwung beim Kanton?
Noch vor einem Jahr tönte es beim Kanton St. Gallen anders. Auch belastetes Fleisch durfte weiterhin verkauft werden. Das Credo: nichts überstürzen. Regierungsrat Damann sagte damals: «Wir müssen Geduld haben. Der Bundesrat setzte die Grenzwerte zu schnell fest, was dazu führt, dass wir die betroffenen Betriebe schliessen müssten.»
Ein Meinungsumschwung des Kantons sei das nicht, sagt Damann nun: «Wir haben immer gesagt, es müsse sauberes Fleisch auf den Markt kommen. Wir haben jetzt aber Druck vom Bund, von der Industrie und von den Konsumenten. Deshalb sind wir der Meinung, dass wir härter eingreifen und das Gesetz durchsetzen müssen.»
Angesprochen auf die Erklärungen des Kantons sagt Bauernpräsident Ruedi Thomann: «Ich kann nicht verstehen, dass der Kanton das sagt. In Bern sind noch Motionen hängig, die auf eine Umsetzung warten.» Die St. Galler Bauern hoffen auf einen Vorstoss im National- und Ständerat, der fordert, dass der Vollzug der PFAS-Höchstwerte vorerst pausiert werden soll.
Dann könnten die Landwirte weiterhin ihre Produkte verkaufen – zumindest bis eine nationale PFAS-Studie vorliegt. Wie gross die Chancen sind, dass der Vorstoss durchkommt, ist offen. Der Bundesrat hat sich bereits dagegen ausgesprochen.
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