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Thursday, September 10, 2026

Branchenbericht – Trotz Exportstärke: Medizintechnik-Firmen senden Warnsignale

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Um diese Branche geht es: Schweizer Medizintechnik-Firmen stellen Produkte wie Zahnimplantate, Insulinspritzen, künstliche Hüftgelenke, Herzschrittmacher oder Diagnosegeräte her. Rund 1400 Firmen sind hierzulande in diesem Bereich tätig. Die Unternehmen erwirtschafteten 2025 einen Umsatz von 26 Milliarden Franken – so viel wie noch nie – und beschäftigen knapp 72'000 Mitarbeitende. Die Branche ist eine wichtige Exportindustrie der Schweiz und erzielte 2025 einen Handelsbilanzüberschuss von mehr als 5 Milliarden Franken. Der wichtigste Exportmarkt ist die EU, danach folgen die USA.

Das macht die Medtech-Branche bedeutend: Medtech-Firmen spielen nicht nur wirtschaftlich eine wichtige Rolle, sondern auch für die Gesundheitsversorgung der Schweiz. Sie versorgen Arztpraxen, Spitäler und Labore mit wichtigen Instrumenten und Geräten. Zudem stärkten sie die Schweizer Position in globalen Lieferketten während der Corona-Pandemie: Weil andere Länder Interesse hatten an Schweizer Diagnose- oder Beatmungsgeräten, war die Schweiz eingebunden in Kooperationsnetzwerke, die ihr wiederum den Zugriff auf wichtige Wirkstoffe ermöglichte.

Das steht im neuen Branchenbericht: Der Branchenverband Swiss Medtech veröffentlicht alle zwei Jahre einen Bericht zum Zustand der Medtech-Branche. Nach wie vor gehe es ihr gut, heisst es darin. Die Umsätze seien in den vergangenen zwei Jahren doppelt so stark gewachsen wie die Schweizer Gesamtwirtschaft. Doch Swiss Medtech warnt: «Mehr als die Hälfte der Unternehmen beurteilt die Standortattraktivität der Schweiz heute schlechter als vor fünf Jahren.» Das zeige sich bereits in den Zahlen: «Netto wurden zuletzt lediglich rund 200 neue Arbeitsplätze geschaffen – deutlich weniger als der Zehnjahresdurchschnitt von rund 1500 Stellen.» Zudem würden 43 Prozent der befragten Unternehmen keine Investitionen planen – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Swiss-Medtech-Direktor Adrian Hunn nennt die Entwicklung «besorgniserregend». Investitionen seien die Arbeitsplätze von morgen.

Stellenabbau bei Zimmer Biomet

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Das Medtech-Unternehmen Zimmer Biomet plant einen möglichen grösseren Stellenabbau in Winterthur im Kanton Zürich. Wie der Hersteller von Gelenkprothesen am Mittwoch ankündigte, sollen im Zuge einer Umstrukturierung der Produktion am Standort Winterthur bis zu 580 von 730 Stellen wegfallen. Damian Müller, FDP-Ständerat und Präsident von Swiss Medtech, bezeichnete die Ankündigung als «extrem besorgniserregend». Sie würde die Warnsignale der neuen Branchenstudie von Swiss Medtech bestätigen: Der Standort Schweiz verliere an Attraktivität.

Hier sieht die Branche die Ursachen: Schwierig für die Firmen seien vor allem der starke Franken, Handelsbarrieren und hohe Lohnkosten. Der starke Franken ist immer wieder ein Problem für exportstarke Branchen, weil er ihre Produkte im Ausland teurer macht. Mit Handelsbarrieren meint der Verband Swiss Medtech die US-Zölle, aber auch die ungelösten Probleme im Verhältnis zur EU. Seit 2021 gibt es zwischen der Schweiz und der EU keine gegenseitige Anerkennung von Medizinprodukt-Zertifizierungen mehr. Das habe den Handel mit Medizinprodukten deutlich erschwert und koste die Schweizer Firmen Aufwand und Geld, sagt Adrian Hunn – gemäss internen Befragungen zwischen 150 und 200 Millionen Franken im Jahr.

Person in Schutzkleidung bedient Maschinen in einer Fabrikhalle.
Legende: Der starke Franken, Handelsbarrieren und hohe Lohnkosten machen der Branche zu schaffen. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Das soll die Politik tun: Für Swiss Medtech steht der Abbau von Handelshemmnissen im Vordergrund. Der Verband fordert neben geregelten Beziehungen zur EU auch eine schweizerische Anerkennung von US-Zulassungen von Medizinprodukten. Das könne nicht nur die Versorgung in der Schweiz mit den Produkten erleichtern, sondern auch den Standort attraktiver machen für international tätige Firmen. Zudem kritisiert die Medtech-Branche zu viel Bürokratie und eine zu hohe Steuer- und Abgabenlast in der Schweiz und fordert in diesem Punkt Entlastung.

Abwanderungsgefahr

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Schon seit Jahren verlagern Schweizer Medtech-Firmen Teile ihrer Produktion ins Ausland. Diese «Lokalisierung» der Produktion sei nötig, sagt etwa Simon Michel, Chef der Medtech-Firma Ypsomed. Das Burgdorfer Unternehmen unterhält Niederlassungen in Deutschland, China und künftig auch den USA. «Produzieren wollen wir und müssen wir näher bei Kunden, bei unseren Pharmaunternehmen, die wir beliefern.»

Doch ob die Schweiz diese Dynamik überhaupt aufhalten kann mit besseren Standortbedingungen, wie sie die Medtech-Branche fordert, ist fraglich. Ypsomed-Chef Michel ist überzeugt: «Die Schweiz muss versuchen, diese Tendenz, dass wir näher an die Kunden gehen, zu kompensieren, indem sie den eigenen Standort noch attraktiver macht.»

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