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Monday, November 2, 2026

«Das ist der letzte Nagel im Sarg»

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Bauer und Trump-Wähler Sledge Taylor (74) aus Mississippi fürchtet um sein Lebenswerk

«Das ist der letzte Nagel im Sarg»

Sledge Taylor (74) hat Donald Trump gewählt. Er glaubte, der Präsident würde Amerikas Bauern helfen. Doch auf seiner Farm im Mississippi-Delta wachsen die Schulden. Er fürchtet um das Lebenswerk seiner Familie. Und weiss kurz vor den Midterms nicht mehr, wem er seine Stimme geben soll.

Publiziert: 00:00 Uhr

  • Landwirt Sledge Taylor (74) war überzeugter Trump-Wähler
  • Mit Blick hat der US-Bauer über die Herausforderungen auf seiner Farm gesprochen
  • Die Branche leidet unter hohen Dieselpreisen, Gegenzöllen und internationaler Konkurrenz

Helena GrafReporterin

Wenn Sledge Taylor (74) von der Arbeit nach Hause kommt, wartet seine Frau meist schon an der Tür. «Du glaubst nicht, was Trump heute wieder gemacht hat!», sagt sie dann und zitiert die neusten verrückten Äusserungen des Präsidenten. Taylor hört zu. Manchmal widerspricht er. Manchmal lässt er es bleiben.

«Meine Frau hasst Donald Trump», sagt der Landwirt zur Blick-Reporterin und lächelt. Wir fahren über eine ungeteerte Strasse zu Taylors Feldern in Como, im Nordwesten von Mississippi. Seit vielen Generationen baut seine Familie hier Baumwolle, Soja und Mais an.

«Er wollte sich um unsere Probleme kümmern»

Taylor hat 2024 Donald Trump gewählt. «Ich dachte, er verstehe etwas von Wirtschaft», sagt er. Doch die Bauern im Mississippi-Delta stecken in der Krise. Viele fühlten sich von der Regierung vergessen. «Trump versprach, sich um unsere Probleme zu kümmern», sagt Taylor. Er biegt ab, hält auf einem Parkplatz für Landmaschinen. «Deshalb haben viele hier für ihn gestimmt.»

Wir stehen vor einer Maschine, die Baumwolle pflückt. Sie kostet 1,2 Millionen Dollar.

Taylor hat 1978 seinen ersten grossen Traktor gekauft. Damals das grösste Modell von John Deere. 17'000 Dollar kostete er. «Heute wären es wohl 350'000.»

Auch der Diesel ist teurer geworden. Der Dünger. Die Pacht. Alles, was Taylor braucht, um seine Felder zu bestellen. Nur das, was er auf seinen Feldern erntet, wird nicht wertvoller.

Auf Trumps Strafzölle reagierten Länder wie China mit Gegenzöllen auf amerikanische Agrarprodukte. Wichtige Absatzmärkte gerieten unter Druck. Und der Krieg mit dem Iran treibt die Preise für Diesel und Dünger weiter nach oben. Einkommensausfälle und Teuerung summieren sich. «In den letzten zwei Jahren hat mich das etwa eine halbe Million Dollar gekostet», schätzt Taylor.

Kaputte Häuser, verlassene Dörfer

Wir fahren weiter. Zu einem Dorf, benannt nach einem von Taylors Vorfahren mit demselben Vornamen: Sledge, Mississippi.

Die einstigen Geschäfte und Tavernen an der Hauptstrasse sind nur noch bröcklige Fassaden. Die Farbe ist verblasst, Dächer sind eingestürzt. Der metallene Schriftzug am Postamt hat eine Lücke. Es fehlt das «S» von «SLEDGE».

Taylor schüttelt den Kopf. «Es bricht mir das Herz, den Ort so zu sehen.» Manchmal kämen seine Verwandten aus anderen Bundesstaaten zu Besuch. «Ich bringe sie nicht mehr hierher. Zu deprimierend.»

Viele Bauern in den USA kämpfen um ihre Existenz. Das ist schon lange so. Brasilien ist zu einem mächtigen Konkurrenten auf dem Weltmarkt geworden. Dort können manche Betriebe zweimal im Jahr ernten. Taylor schafft auf seinen Feldern meist nur eine Ernte. «Es fühlt sich an, als wären wir überflüssig», sagt er.

Das Amerika, das Trump versprach – und was daraus geworden ist

Vor zwei Jahren versprach Donald Trump den Amerikanern mehr Wohlstand, sichere Grenzen, neue Jobs und ein Ende der Kriege. Was ist daraus geworden?

Kurz vor den Midterms am 3. November reist Blick durch die USA. Neben dem Repräsentantenhaus werden in einigen Staaten auch Senatoren neu gewählt. Die Republikaner haben derzeit die Mehrheit in beiden Kammern. Das dürfte sich ändern.

Wir besuchen Bundesstaaten und Wähler, die besonders umkämpft sind – und wollen wissen: Wie zufrieden sind die Amerikaner mit ihrem Präsidenten – und was ist von seinen Versprechen geblieben?

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Die letzten zwei Jahre – die Zölle, der Krieg – seien nicht Auslöser der Krise. «Aber sie sind der letzte Nagel im Sarg.»

Viele seiner Kollegen hätten aufgegeben. Oder hätten Kinder, die nach der Universität nicht zurück aufs Land wollten. Taylor hat drei Söhne. Die beiden älteren helfen ihm. Sie sollen den Hof einst übernehmen.

«Ihre Freunde in anderen Berufen verdienen mehr, haben einen höheren Lebensstandard», erzählt er. «Doch meine Söhne lieben das Land und den Beruf. Sie wollen den Hof weiterführen.»

Angst vor dem Ruin

Taylor blickt düster in die Zukunft. Er muss vermehrt Geld leihen, um sich neue Maschinen zu leisten. Schulden hätten sich angehäuft. «Meine grösste Angst ist, dass ich eine falsche Entscheidung treffe und uns damit in den Ruin treibe.»

Taylor ist 74. Ans Aufhören denkt er nicht. «Solange meine Gesundheit mitmacht, will ich weiterarbeiten.» Er habe zu viele Menschen gesehen, die sich pensionieren liessen und kurz darauf starben.

Lieber kümmert er sich um seine Rinder. Um die Felder. Und um das, was nach ihm kommt.

Taylor versucht gerade, sein Wissen in einem Computerprogramm namens Obsidian zu sammeln. Er nennt es sein zweites Gehirn. Dort will er festhalten, was er in Jahrzehnten gelernt hat. Seine Pläne. Seine Erfahrungen. Die Geschichte der Farm. Irgendwann sollen seine Söhne darin nachlesen können.

Sein Rat für Trump

Von der Politik erwartet er wenig. Die Politiker in Washington seien vor allem mit sich selbst beschäftigt, sagt Taylor. Mit ihren Geschäften, ihren Aktien, ihrem eigenen Vermögen. «Sie kümmern sich mehr um ihren eigenen Profit als um den des Landes.»

Seine Wahl für Trump bereut Taylor trotz allem nicht. Der Präsident habe auch einiges richtig gemacht, findet er. Wenn Trump vor ihm stünde, hätte Taylor allerdings einen Rat für ihn: «Er soll endlich mal die Klappe halten.» Taylor lacht.

Am 3. November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress. Normalerweise wählt Taylor stets republikanisch. Diesmal weiss er nicht, wem er seine Stimme geben soll.

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