Brand von Crans-Montana – Erste Hilfsgelder für die Opfer sind geflossen

Brand von Crans-Montana Erste Hilfsgelder für die Opfer sind geflossen
Die Stiftung unter Doris Leuthard rechnet mit langfristigem Bedarf – und will nach weiteren Spenden suchen.
07.09.2026, 11:52
Die ersten Auszahlungen der Stiftung Beloved an Betroffene des Branddramas von Crans-Montana sind erfolgt. Das hat Stiftungsratspräsidentin Doris Leuthard gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS bestätigt.
Doris Leuthard im Interview (dt. Untertitel):
Die Stiftung wurde nach der Tragödie gegründet, um Opfer und Angehörige finanziell zu unterstützen. Anspruch haben neben den Familien der Verstorbenen und den Verletzten auch professionelle Rettungskräfte sowie Personen, die spontan Hilfe geleistet haben.
Die Stiftung soll insbesondere dort Hilfe leisten, wo bestehende Systeme an ihre Grenzen stossen oder keine Leistungen vorsehen. Bisher seien rund 70 Unterstützungsgesuche eingegangen, so Leuthard.
Ausbildung und Wiedereingliederung
«Für Familien, die ein Kind verloren haben, ist es eine Tragödie», sagt Doris Leuthard. Besonders schwer betroffen seien auch Jugendliche, die schwere Verbrennungen erlitten hätten und deren Leben auf den Kopf gestellt worden sei.
Ein Schwerpunkt der Stiftung liegt auf der Ausbildung und der beruflichen Wiedereingliederung junger Betroffener. Unterstützt werden sollen etwa Umschulungen oder neue Ausbildungswege, wenn der ursprünglich geplante Berufsweg nicht mehr möglich ist. «Da können wir effektiv und konstruktiv zur Verfügung stehen», sagt die ehemalige Bundesrätin.
Hilfe auf lange Sicht
Derzeit verfügt die Stiftung über rund 24 Millionen Franken – zehn Millionen vom Kanton Wallis, sieben Millionen vom Kanton Waadt und eine Million von der Gemeinde Crans-Montana. Die restlichen Mittel stammen von Organisationen und privaten Spenderinnen und Spendern.
Die Stiftung rechnet damit, dass viele Betroffene über Jahre hinweg medizinische und psychologische Unterstützung benötigen werden.
«Wir wissen, dass viele Behandlungen lange dauern werden», sagt Leuthard. Die Stiftung sei deshalb auf Dauer angelegt und wolle langfristig dort helfen, wo Bedürfnisse bestehen.
Ob die vorhandenen Mittel ausreichen werden, ist allerdings offen. Angesichts der Schwere der Folgen könnten die Reserven mit der Zeit stark beansprucht werden.
Leuthard verweist darauf, dass die zivilrechtliche Verantwortung für die Tragödie noch Gegenstand laufender Verfahren ist. Sollten Verantwortliche gerichtlich haftbar gemacht werden, könnten auch Versicherungen eine Rolle spielen.
Gleichzeitig plant die Stiftung weitere Fundraising-Aktivitäten. «Wir müssen Reserven bilden», sagt Leuthard. Deshalb soll auch nach zusätzlichen Spenderinnen und Spendern gesucht werden.
Noch keine Debatte über Gesetzesänderungen
Zeigt die Tatsache, dass sich eine Stiftung mit teilweise privaten Geldern um die Opfer kümmert, dass die bestehende Opferhilfe in der Schweiz unzureichend ist? Dazu will Leuthard noch keine abschliessende Einschätzung abgeben.
Zunächst gehe es darum, die Erfahrungen aus der Tragödie auszuwerten und die Betroffenen zu unterstützen. Für Diskussionen über mögliche Gesetzesänderungen sei es noch zu früh. «Man muss zuerst die Lehren aus diesem Drama ziehen», sagt die ehemalige Bundesrätin.
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